1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. "Julie & Julia": Huldigung an die Kochkunst

  6. >

Filmrezensionen

"Julie & Julia": Huldigung an die Kochkunst

Hans Gerhold

Die Eine entdeckt 1949 in Paris die französische Küche und veröffentlicht acht Jahre später als Mitautorin ein voluminöses Kochbuch. Die Andere kämpft sich 50 Jahre später in New York durch die 524 Rezepte und dokumentiert die Sisyphus-Arbeit in einem Blog, mit dem sie Starautorin wird. Aus diesen wahren Geschichten entwickelt Regisseurin Nora Ephron („Schlaflos in Seattle“) ein hinreißendes filmisches Kochbuch, in dem Meryl Streep und Amy Adams über die Zeiten hinweg Löffel, Nudelrollen und Tranchiermesser traktieren.

Die Basis des Films bilden Julia Childs Memoiren „My Life in France“, ihre Briefe, das Kochbuch „Mastering the Art of French Cooking“ (gegenwärtig in der 49. Auflage), und Julie Powells Bestseller „Julie and Julia“. Ohne die Frauen zusammenzuführen, was zu kitschig wäre, verknüft Ephron ihr Leben geschickt, indem sie zwischen den Zeitebenen springt.

Beide Frauen verbindet Liebe zum Essen und zu den Ehemännern. Julia Child (Streep) fühlt sich als Frau eines Regierungsbeamten (Stanley Tucci, „Der Teufel trägt Prada“) unausgefüllt und entdeckt in Paris ihre Berufung am Küchenherd, wo es um Zwiebelschneiden und Virtuosität im Pfannenschwenken geht. Julie Powell (Adams) hat einen Roman nur halb vollendet, arbeitet als Kummertante der Attentatsgeschädigten vom 9. September für die Regierung, und stellt sich der Mammutaufgabe, innerhalb eines Jahres die Gerichte durchzukochen, mit Tatkraft.

Das ergibt schöne Parallelen in den Lebensläufen, in Szenenübergängen und den Mahlzeiten, die die Frauen bewältigen. Gegenüber den Dialogen überwiegt hübsche Situationskomik, wenn Streep oft unwiderstehlich ungeschickt hantiert. Als überspannt überdrehte Matrone beherrscht sie den Film und hat der originalen Kochgöttin Child, die im Fernsehen mit einer Kochsendung zur Ikone wurde, deren verdrehte Körperhaltung, Gestik und Vokalartistik grandios abgeguckt. Adams ist genauso zauberhaft und fügt ihrer etwas niedlichen Rolle eine Prise sanfter Melancholie hinzu. Bon Appétit!

Startseite