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Nackt in der Innenstadt

Junggeselle zieht sich aus - Gastronomen sind sauer

Martin Kalitschke

Münster - Holger Seemann ist Taxifahrer, er hat schon viel gesehen - „aber so etwas noch nicht“: Als er am Mittwochabend um 23 Uhr am Drubbel auf Kundschaft wartet, zieht sich der Teilnehmer eines Junggesellenabschiedes vor seinen Augen splitternackt aus - und führt auf offener Straße einen Tanz auf.

„Das ganze hat sicherlich sechs bis acht Minuten gedauert“, berichtet Seemann. Auch zwei junge Frauen seien von dem jungen Mann angetanzt worden, „die Einlage war showreif, die Mädels schauten allerdings diskret weg“.

Seemann rief die Polizei, die traf allerdings erst ein, als der „Flitzer“ das Weite gesucht hatte. Sein Glück: Für eine solche Belästigung der Allgemeinheit hätte er ein Bußgeld zahlen müssen, betont Polizei-Sprecherin Evelin Kösters.

Dass der Teilnehmer eines Junggesellenabschiedes ohne Bekleidung durch die Innenstadt hüpft, kommt nicht oft vor. Dennoch sind die rein männlichen oder rein weiblichen Grüppchen, die regelmäßig die City unsicher machen, vielen Gastronomen ein Dorn im Auge.

Im „Blauen Haus“ hängt bereits am Eingang ein Schild, dass Junggesellenabschiede unerwünscht sind. „Die brauchen wir nicht, die wollen wir nicht, die kommen nicht rein“, betont Betreiber Peter Göttker. 80 bis 90 Prozent der Teilnehmer zeichnen sich nach seinen Erfahrungen durch „grundsätzlich schlechtes Benehmen“ aus.

„Sie kommen oft schon stark alkoholisiert mit dem Zug an. Wenn sie die Altstadt erreichen, sind sie fast nicht mehr zumutbar.“ Den anderen Gästen, aber auch den Nachbarn:

„Manche Junggesellenabschiede haben Megafone dabei - oder Eisenketten mit Holzköpfen dran.“

Vom Müll, den sie hinterlassen, ganz zu schweigen. „Einfach abstoßend“, sagt Göttker.

Auch im Pinkulus, in der Kreuzstraße 14 und in der Gorilla Bar sind die Abschiede unerwünscht. „Große Gruppen, die die Gäste belästigen und mitgebrachte Getränke verkaufen, gehen gar nicht“, sagt Gorilla-Chef Bernd Redeker. Wer sich „vernünftig“ verhalte - und dies gilt laut Göttker auch fürs „Blaue Haus“ -, „der kann allerdings gerne bleiben“.

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