1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. „Kaffeefahrt“ endet mit einer Pleite

  6. >

USC Münster

„Kaffeefahrt“ endet mit einer Pleite

Uwe Peppenhorst

Münster - Als die Damen des USC Münster am 14. März 1975 zur Meisterschafts-Endrunde in Richtung Krefeld aufbrachen, da hatte das den Charakter einer „Kaffeefahrt“. Was sollte schon groß passieren? Immerhin hatte der USC in der gesamten Bundesliga-Saison nicht eine einzige Niederlage kassiert, die meisten Spiele im Schnelldurchgang für sich entschieden und lediglich eine Handvoll Sätze abgegeben. „Münster ist haushoher Favorit. Sollte die Mannschaft nicht Meister werden, wäre das eine Riesen-Sensation“, war sich im Vorfeld Bundestrainer Dai Hee Park sicher. Und auch USC-Trainer Paul Brisken hatte ein Scheitern nicht mal im Hinterkopf: „Wenn wir Normalform erreichen, sollten wir eigentlich drei klare Siege erringen und den Titel wieder nach Münster holen.“

Doch wie heißt es so schön: Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Und genau das passierte in Krefeld. Schon im ersten Spiel gegen Wetzlar zeigte der USC eine schwache Vorstellung. Trotzdem reichte es zu einem 3:0-Erfolg. „Für meine Spielerinnen war das heute doch nur ein leichtes Aufwärmen. Ich bin mir absolut sicher, dass die Mannschaft gegen Hannover und Schwerte ganz anders auftrumpfen wird“, zeigte sich Trainer Brisken kein bisschen beunruhigt.

Das böse Erwachen kam 24 Stunden später in der Begegnung gegen Hannover. Nur etwas mehr als eine Stunde dauerte das Spiel, dann hatte der USC mit 13:15, 7:15 und 9:15 den Kürzeren gezogen. Was nicht nur einen Strom von Tränen zur Folge hatte, sondern auch zur allgemeinen Fassungslosigkeit führte. „Ich habe keine Ahnung, wie das passieren konnte“, sagte Coach Brisken, und Annedore Richter stammelte immer wieder nur ein Wort: „Unfassbar.“

Zwar wurde das letzte Spiel gegen Schwerte tags darauf wieder klar mit 3:0 gewonnen, da sich im Anschluss aber auch Hannover gegen Wetzlar mit dem gleichen Ergebnis durchsetzte, war der USC-Traum von einer erfolgreichen Titelverteidigung geplatzt.

Den Schuldigen hatten die USC-Verantwortlichen anschließend schnell ausgemacht. „Es ist doch ein Unding, dass in der Endrunde alle Mannschaften wieder bei Null anfangen. Dann kann man sich die Normalrunde doch gleich ganz schenken“, schoss Paul Brisken einen Giftpfeil in Richtung Deutscher Volleyball-Verband ab. Und sein Vorgänger Karl Herzog bezeichnete die Endrunde kurz und knapp als „Witz“.

Verständlich war das alles irgendwie schon. Immerhin hatte der USC die Normalrunde in einer Art und Weise dominiert, die einzigartig war. Dennoch mussten sich die Münsteranerinnen auch kritisch fragen lassen, ob sie die „Zusatzschicht“ nicht zu sehr auf die leichte Schulter genommen hatten. Hannovers Trainer Stanislaw Kapinski jedenfalls konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen und meinte schadenfroh: „Das hat man davon, wenn man sich schon vorher als Meister fühlt.“

Startseite