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Unterschriften-Protest in Ahlen

Kalte Klassen: Schüler frieren bei 14 Grad

Ulrich Gösmann

Ahlen - Der Name „Winter-Gesamtschule“ bekommt in diesen Tagen eine neue Bedeutung. Weniger kunstvoll, mehr fröstelnd. Schüler behalten ihre Jacken an, durchfrieren die Stunden in kühlen Klassen bei 14 Grad, oder kommen - wie am Dienstag - gar nicht erst, weil eine Radiomeldung zusätzliche Irritationen stiftet. Inzwischen regt sich Widerstand. Eine Unterschriftenliste kreist durch den Altbau, der einfach nicht mehr warm zu kriegen ist.

Der Lokalfunk meldets am Morgen: In der Fritz-Winter-Gesamtschule sei es kalt, weil die Heizung streike. Schüler sollten mit Handschuhen zum Unterricht kommen. Viele haben es gehört und geben es irgendwie weiter. Am Bahnhof führt das „Stille- Post“-Spiel dazu, dass eine Mutter aussteigende Schüler gleich wieder in den Bus schickt - mit ihrem Halbwissen: heute kein Unterricht.

„Die Radiomeldung hat hohe Wellen geschlagen. Die Telefone stehen nicht mehr still“, reagiert Manfred Falk, Leiter des Zentralen Gebäudemanagements im Rathaus, am Morgen. Offensichtlich habe eine Mutter beim Sender in Eigeninitiative angerufen. Jetzt habe man „den Spaß“. Fakt sei: Das Blockheizkraftwerk am Freizeitbad, das auch die Gesamtschule mit Fernwärme versorgt, sei ausgefallen. Der einzige Gaskessel reiche nicht aus, um die Schule„richtig warm zu kriegen.“

Horst Sandmann, stellvertretender Abteilungsleiter Gas, Wasser, Wärme bei den Stadtwerken, bestätigt beim Ortstermin den Ausfall des Blockheizkraftwerkes. Ein Generator sei seit Tagen defekt, ein neuer komme am 7. Januar. Dennoch könne das BKH nicht Schuld an der unterkühlten Schulsituation sein. „Die Kälte tritt partiell auf“, erklärt Sandmann und blickt rüber auf den Altbau. Würde alles am Blockheizkraftwerk liegen, wäre es auch in Rathaus, Ebert-Halle, Freizeitbad, Overbergschule und Gymnasium kalt. Im Falle eines Ausfalls springe automatisch die Gasversorgung ein.

„Wenn es am Blockheizkraftwerk liegt, müsste es schon seit acht Jahren defekt sein“, spricht Schulleiter Alois Brinkkötter Klartext. „Wir beklagen es jedes Jahr, dass die Temperaturen im Altbau zu niedrig sind.“ Sieben Klassen- und sieben Fachräume schafften es zurzeit kaum über 14 Grad. Umschlossen von Außenwänden, Flachdach und langen Fluren sei der Gebäudezustand das Problem.

In der Klasse 9.6 ergreifen Schüler am Dienstag die Initiative und sammeln Unterschriften - für einen warmen Klassenraum. Adressat: der Bürgermeister. Um der Kälte nicht den ganzen Tag ausgesetzt zu sein, wandern Klassen bereits in freie Räume des Neubaus, sofern sie zum Aufwärmen gerade frei sind.

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