1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Kampf mit dem Schweinehund

  6. >

Archiv

Kampf mit dem Schweinehund

Niklas Groß

Ahlen - Elf Kilometer - klingt nach massig Distanz und Zeit, um noch auf der Strecke selbst die Konkurrenz zu studieren, sich einem gepflegten Duell mit ihr zu widmen. Dieses aber steht nicht selten im Hintergrund, wenn „der Berg ruft“, wenn es 80 Höhenmeter hinauf auf die heimische Halde zu meistern gilt. Beim „Stadtteil- und Haldenlauf“ hat der Kampf mit dem eigenen Schweinehund Jahr für Jahr Priorität. Nur nicht den eigenen Rhythmus verlieren beim Anblick der ungewohnten Tippel-Schritte des Vordermanns auf der steilen Schotterpiste.

Oder es einfach wie Thomas Böckenholt handhaben. Der Münsteraner sah schon wenige Meter nach der Startlinie keinen Teilnehmer mehr vor sich, sicherte sich einen „konkurrenzlosen“ Start-Ziel-Sieg in überragenden 39:06 Minuten. Böckenholt blieb damit zwar eine gute Minute über seiner Siegerzeit aus dem Jahr 2005, zeigte sich aber erleichtert, die „Hölle“ nach der Halde überstanden zu haben. Denn während auf dem Gipfel wenigstens ein laues Lüftchen wehte, erzeugten sommerliche Temperaturen einen wahren Hexenkessel im Bergab-Abschnitt.

Mit gehörigem Abstand folgte Böckenholt ein Quartett des LV Oelde, aus dem sich Stefan Raulf und Bernd Hoppe die weiteren Podestplätze sicherten. Auf den Rängen sechs bis acht überquerten mit Mirco Schuler, Daniel Drepper und Klaus Schmehl die ersten Ahlener Athleten die Ziellinie, Silke Diecksmeier beendete den lauf als schnellste heimische Teilnehmerin.

Insgesamt jedoch hatten weniger Ahlener Läufer den Weg in den Osten-Stadtteil gefunden, was seinen Grund in der enormen Wettkampfdichte dieser Tage haben dürfte. „Mal schauen, wann wir im nächsten Jahr starten“, äußerte sich Mitorganisator Hermann Huerkamp wohlwissend über eine etwas unglückliche Terminierung. Kein Problem stellte die freilich für die jüngeren Ahlener dar, die von Bambinis bis zu den A-Schülern wieder reihenweise an den Start gingen. Wenig Anklang fanden indes die (Nordic-)Walking-Wettbewerbe, weshalb das Organisationsteam um Hermann Huerkamp darüber nachdenkt, hier in Zukunft nur noch die Sieben-Kilometer-Strecke anzubieten. „Ich denke, es handelt sich bei den Walkern größtenteils um Hobby-Sportler, da sollten es diese Distanz auch tun“, so Huerkamp.

Ein äußerst erfreuliches Ergebnis sicherte sich die Ahlener Riege im Rennen über Sieben-Kilometer: Daniel Mesken und Sebastian Link holten Gold und Silber, Harun Akcabelen einen tollen vierten Rang. Im Elf-Kilometer-Lauf der Damen sicherte sich Uschi Rammert (LV Oelde) den Sieg vor Marleen Holsträter (TuS Uentrop) und Karin Wallrafen (SC Lippetal).

Wie viel Respekt der Zechenberg teilweise einflößt, zeigt abschließend folgende Begebenheit: Für den „Siebener“ gemeldet, beteuerte eine Teilnehmerin im Ziel, elf Kilometer absolviert zu haben. Rang eins mit mehr als zehn Minuten Vorsprung wären dann ihrer gewesen.

Die Befragung ihrer vermeintlichen Konkurrentinnen, der weiblichen Spitzengruppe über elf Kilometer, ergab jedoch einstimmig, dass sie die Halde wohl nur von unten gesehen hatte. Sei es ein Irrtum oder eine missratene List. In jedem Fall auch eine Möglichkeit, sich während des Wettkampfes nicht mit seinen Gegnern zu beschäftigen.

Startseite