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Karmann: Zitterpartie in Osnabrück

Andreas Fier

Osnabrück - Der Verkauf der Karmann-Dachsparte an Magna erhält neue Brisanz. Wie Branchenkreise berichten, hat der spanische Autozulieferer CIE beim Bundeskartellamt erneut sein Interesse bekundet, den insolventen Hersteller von Cabriodächern in Osnabrück zu übernehmen.

CIE hatte bereits im vergangenen Jahr den Kauf von Karmann geprüft und war neben Magna als einziger ernsthafter Interessent gehandelt worden. Während Magna mit seiner Tochter Car Top System (CTS) bereits Dächer für Porsche, Peugeot, Audi und Mercedes fertigt, wäre der Bau von Cabriodächern für die Spanier allerdings Neuland.

Karmann-Insolvenzverwalter Ottmar Hermann war im März mit Magna einig geworden. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, Berichten zufolge hatte Hermann rund 20 Millionen und millionenschwere Investitionen gefordert. Einen Monat zuvor hatte Magna bereits die japanische Karmann-Tochter übernommen, die unter anderem das Dach für den Nissan Sportwagen 370Z herstellt. Verhandlungen über den Kauf von Karmann-USA laufen noch. Dort läuft das Verdeck für den Ford Mustang vom Band.

Aus Sicht des Bundeskartellamts könnte die Übernahme durch Magna CTS - wie berichtet - allerdings kartellrechtlich bedenklich sein. Nachdem der bayrische Autozulieferer Webasto im Herbst den ebenfalls insolventen Dachhersteller Edscha übernommen hatte, sind derzeit nur noch drei Firmen am Markt, die sich auf die Entwicklung und Produktion von Cabriodächern verstehen. Sollte Magna nun Karmann übernehmen, würden de facto nur zwei Unternehmen übrig bleiben. Verschwinden würde der Name Karmann in jedem Fall. Da Volkswagen die ebenfalls insolvente Fahrzeugproduktion am Standort Osnabrück übernommen hat, muss der zukünftige Besitzer der Dachsparte auf den Traditionsnamen verzichten. Magna hatte bereits angekündigt, dass das Osnabrücker Werk unter einem neutralen Namen weitergeführt werden soll und eine Arbeitsplatzgarantie bis 2014 gegeben.

Die Rückkehr der Spanier an den Verhandlungstisch könnte für die Mitarbeiter in Osnabrück nun zum Bumerang werden. Die Karmann-Kunden Daimler und BMW haben angekündigt, dass sie nicht mit CIE zusammenarbeiten werden. Die Spanier hatten zuvor ihre Preisvorstellungen kundgetan und sich damit bei den Autoherstellern einen Korb geholt. Nach Branchenangaben haben sich neben Daimler und BMW auch VW, Opel und Renault-Nissan gegenüber dem Kartellamt für die Übernahme durch Magna ausgesprochen.

Karmann fertigt in seinem polnischen Werk derzeit Dächer für den BMW 1er und den Mini. Auch die Dächer für das neue BMW 6er Cabriolet werden in Zary vom Band laufen. In Osnabrück baut Karmann Dächer für die neue Mercedes E-Klasse und den Renault Megane. Würden Daimler und BMW ihre Aufträge abziehen, hätten die Spanier einen Dachhersteller ohne Kunden gekauft. Zudem wären jeweils rund 360 Arbeitsplätze in Osnabrück und Zary gefährdet.

Stichtag für die Entscheidung des Kartellamts ist der 31. Mai. Allerdings wird voraussichtlich in drei Wochen bereits feststehen, wohin die Reise geht. Das komplizierte deutsche Kartellrecht sieht vor, dass die Behörde die Begründung ihrer Entscheidung schon vorab mitteilt, damit die Beteiligten darauf reagieren können. Für gewöhnlich ist aus der Begründung die Entscheidung absehbar.

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