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Reste vom Vortag

Karsai enthüllt Geheimdiplomatie

unserem Korrespondenten Friedemann Diederichs

Washington - Hinweise hinter den Kulissen gab es schon seit Monaten - nur keine offizielle Bestätigung. Doch nun hat Afghanistans Präsident Hamid Karsai enthüllt, was die US-Regierung gerne noch eine Zeit lang unter der Decke gehalten hätte: Amerikanische Vertreter führen seit geraumer Zeit geheime Verhandlungen mit den Taliban über die Zukunft Afghanistans. Es laufe gut, hatte dazu Karsai am Samstag offenbart. Das Weiße Haus schweigt bisher zu dieser Entwicklung, doch das Ziel scheint klar: Die nicht unumstrittene diplomatische Initiative soll es US-Präsident Barack Obama erleichtern, seine Abzugspläne zu beschleunigen.

In Kürze soll es zu dieser bedeutenden militärischen Entscheidung konkrete Aussagen Obamas geben, der mit seinem Versprechen beim Wähler im Wort steht, im Juli diesen Jahres mit der Rückholung der US-Truppen zu beginnen und diese bis 2014 zum größten Teil abzuschließen.

Fraglich ist derzeit vor allem, wie umfangreich der erste Abzugsschritt sein wird. In Washington rechnet man allgemein damit, dass der Präsident zunächst jene 30 000 Mann zurückbeordert, die er im vergangenen Jahr als Verstärkung für eine Offensive gegen die Taliban und El Kaida zusätzlich zu den 100 000 bereits im Land befindlichen Soldaten im Marsch gesetzt hatte.

Unbeeinträchtigt von der Geheimdiplomatie setzen die Taliban ihre militärischen Attacken fort. Der ranghöchste deutsche Kommandeur in der nordafghanischen Unruheprovinz Kundus kam gestern bei einem Bombenanschlag mit dem Schrecken davon. Wie die Bundeswehr mitteilte, war Oberst Norbert Sabrautzki, der Chef des regionalen Wiederaufbauteams (PRT), auf dem Weg zu einer Sicherheitsbesprechung mit afghanischen Behörden, als sein Konvoi am Stadtrand von Kundus mit einem Sprengsatz angegriffen wurde. Drei Zivilisten starben.

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