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Politik Ausland

Karsai verwirrt die Bündnispartner

unserem Korrespondenten Friedemann Diederichs

Washington - In den USA wächst die Sorge angesichts der jüngsten Drohungen des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai, dass die fortschreitende Distanzierung Karsais vom Nato-Einsatz die gesamte Strategie Washingtons und der westlichen Partner gefährden kann. Gleichzeitig stellen US-Medien die Frage, ob Karsai überhaupt noch als Verbündeter im Kampf gegen die Taliban und El Kaida angesehen werden kann. Damit droht US-Präsident Obama eine innenpolitische Debatte über den Sinn des Afghanistan-Einsatzes.

Karsai hatte am Wochenende - für Washington völlig unerwartet - den Beginn der geplanten Sommeroffensive der Nato in der Kandahar-Region von der Zustimmung örtlicher Stammesführer abhängig gemacht und will diesen offenbar großen Einfluss auf das militärische Vorgehen einräumen. „Es wird keine solche Operation geben, wenn ihr damit nicht zufrieden oder glücklich seid,“ wurde Karsai zitiert. Während überraschte US-Militärs zunächst versuchten, die Ankündigung herunterzuspielen, sieht man in politischen Kreisen dies als zweiten klaren Affront.

Die „Washington Post“ spricht mittlerweile davon, dass das Verhalten Karsais „schwerwiegende Folgen“ für die langfristigen Stabilisierungsversuche der USA haben werde. Obama muss auf einen Mann setzen, dessen politisches Überleben stark von Washington abhänge, der aber derzeit mit allen Mitteln versuche, seinen wichtigsten Verbündeten zu unterminieren und gleichzeitig die Kontakte mit China und dem Iran verstärke.

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