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Katholikentag Osnabrück

Katholikentag entdeckt das Thema "Männer"

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Osnabrück - 34 Männer scharen sich im Schatten der Ursulaschule um Abtprimas Notker Wolf. Begierig zu erfahren, in welchen Rollenzwängen denn der Mann heute steht: Fels in der Brandung oder doch Frauenversteher? Und der Benediktiner antwortet. Der Katholikentag hat die Männer als Thema entdeckt. Im „Frauen- und Männerzentrum“ sitzen sie zusammen, suchen „mit der Kraft der Trommel zu ihrer Kraft“, versuchen zu ergründen, „ob Männer immer Helden sein müssen“ oder erfahren über sich: „Männer mögen's blond.“ Die Veranstaltungen sind offenbar der Renner. Überall hängen „überfüllt“-Schilder, jugendliche Helfer haben die undankbare Aufgabe, Neugierige wieder in die Cafeteria oder auf die Kirchenmeile zu schicken.

Abtprimas Notker Wolf, oberster Repräsentant der Benediktiner, grenzt sich gerne von den Feministinnen ab. „Der Mann soll auch Beschützer sein“, sagt der Autor verschiedener Bücher. Er solle durchaus seine „Aggressivität zeigen können, um seine Kräfte freizusetzen“. Kein Freibrief für Gewalt. Wichtig sei letztendlich die Frage, „wie sehr der Mann von heute mit seiner Macht umgeht“. Anders als der Macho lautet Wulfs Lösung zur richtigen Umgang mit der Macht: „Der Mann muss vom Redenden zum Hörenden werden. Horchen Sie!“ ermunterte er.

Zwei Stunden später und hundert Meter entfernt machen genau das mehrere Männer, die im Gesprächskreis zu ergründen versuchen, ob „Einsam glücklich“ – so der Titel eines Seminars – möglich ist. Ihre Erkenntnis: mal so, mal so. Irgendwer hat die Stühle und Tische der Ursulaschule in Osnabrück an die Wand geschoben, dazwischen Männer, die sich und den anderen einreden, dass es doch auch schön sei, allein zu sein. Selbst entscheiden zu können, wann man was macht; mehr Zeit haben; und mehr Freiheit.

Einer widerspricht: Zum Glücklichsein gehöre eine gehörige Portion „Herzenskontakte“. Und Männer, die nach einer Trennung den Alltag ihres Kindes nicht mehr mitbekommen, machen keinen Hehl daraus, dass „Einsam unglücklich“ wohl häufiger die Wahrheit trifft.

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