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Kaum Biobauern im Münsterland

Stefan Werding

Münster - Das Münsterland ist keine große Hilfe. Wenn die Bauern den künftigen Biobedarf in NRW an Getreide, Obst, Gemüse, Milch und Fleisch decken wollen, dann müssten sie jede Menge Hektar auf ökologische Landwirtschaft umstellen. Nur: Im Münsterland gibt es dafür keinen Platz.

Der Studie „Öko-Absatzpotenziale in NRW bis 2012“ zufolge müsste die landwirtschaftliche Fläche in NRW um etwa 43 000 Hektar ausgeweitet werden, um den künftigen Bedarf im Land decken zu können. Zurzeit beackern die Bauern im Land rund 1,5 Millionen Hektar. Im Vergleich zu 2007 würde dies eine Ausdehnung um rund 80 Prozent bedeuten.

Heinz-Josef Thunecke, Geschäftsführer von Bioland, einem der führenden ökologischen Anbauverbände, erklärt, warum die Umstellung im Münsterland so schwierig ist. Die meisten Betriebe halten auf sehr wenig Fläche sehr viele Tiere. Der Grundsatz, dass die Fläche eines Hofes auch das Futter für die Tiere hervorbringen muss, ist in Betrieben, die durchaus mehr als 1000 Schweine mästen, nicht umzusetzen. „Die Betriebe haben Vieh bis unters Dach,“ sagt Thunecke. Entweder sie müssten die Zahl ihrer Tiere reduzieren oder Fläche zupachten. Die sei aber sehr knapp und sehr teuer. Auf einem Biohof hängt die Menge der Produktion von den Flächen ab, über die der Hof verfügt. Pro Hektar darf ein „Bioland“-Hof zwei Milchkühe, zehn Mastschweine oder 140 Legehennen halten.

Die Bauern, die in den vergangenen Jahren große Schweineställe gebaut haben, scheiden als potenzielle Ökobauern ohnehin aus. Die Ställe sind für eine Ökolandwirtschaft unbrauchbar: falsche Böden, zu wenig Fenster – „die kann man gar nicht umstellen”, meint Thunecke. Zusätzlich verschärft wird das Problem durch das Biogasanlagen. Es zwingt die Bauern dazu, extra Flächen mit Mais zu bepflanzen, um die Anlagen auch beliefern zu können. „Das macht das Problem komplett”, sagt Thunecke.

Auch die Politik könnte ein Grund für die Zurückhaltung der Bauern sein. Der Regierungswechsel 2005 und das Ende eines grünen Landwirtschaftsministeriums habe den Wechsel erschwert. „NRW-Landwirtschaftsminister Uhlenberg hat sich schwer getan mit dem Ökolandbau”, meint der Bioland-Geschäftsführer Thunecke. Der Minister habe zwar mittlerweile umgedacht. Aber die Zuschüsse aus Düsseldorf seien erheblich geringer als in rot-grünen Zeiten. „Und mit weniger Förderung ist eine erfolgreiche Umstellung sehr schwierig.” Bauernpräsident Franz-Josef Möllers sei nie großer Befürworter des Ökolandbaus gewesen. „Befördert hat er ihn nicht gerade”, brummt Thunecke..

Hans-Heinrich Berghorn, Sprecher des Bauernverbandes (WLV), widerspricht. Es sei „sicher so, dass die Ökobewegung in der Landwirtschaft kaum verfangen hat“, sagte er unserer Zeitung. Außerdem müsse der Wechsel gut überlegt sein: „Das muss sich auch rechnen.“ Position des Verbandes sei immer gewesen, dass jeder entscheiden soll, wo er sein Auskommen findet. Es gebe keine Empfehlungen – weder offiziell noch inoffiziell –, dafür aber den Arbeitskreis „Ökologische Landwirtschaft“, der die Interessen der Biobauern in Verband vertrete. Außerdem habe der WLV mit dem Landwirtschaftsministerium die Marktstudie zu den Absatzpotenzialen für Öko-Produkte in NRW bis 2012 in Auftrag gegeben. Kommentar eines Insiders: „Das hat ja auch lange genug gedauert.“

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