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Neue Telefonnummern mit elf Ziffern

Kein Anschluss unter Ihrer Nummer

Andreas Fier

Münster/Coesfeld - Dirk Schenk ist einer von vielen. Zehntausende Deutsche haben in den vergangenen Wochen Post von ihrem Telefon-Anbieter bekommen, der schlechte Nachrichten überbringt: Die gewohnte Festnetznummer wird zur Mitte des Jahres abgeschaltet und durch eine neue ersetzt.

„Am besten informieren Sie jetzt schon Ihre Bekannten und Freunde und probieren die neuen Rufnummern aus“, rät der Telekommunikations-Riese 1&1 seinem Kunden aus Coesfeld.

Die Hintergründe kennt die Bundesnetzagentur in Bonn: Weil die Telefonnummern in vielen Ortsnetzen knapp werden, hat der Regulierer schon im Jahr 2006 angeordnet, dass Telefonnummern in Deutschland künftig elfstellig sein müssen - gemeint ist damit die Ortsvorwahl ohne die voranstehende Null sowie die eigentlich Telefonnummer. Die meisten Bestandskunden mit älteren Verträgen seien nicht betroffen, erklärt Netzagentur-Sprecher René Henn. Auch die vier deutschen Ortsnetze mit kürzeren Vorwahlen in Berlin (030), Hamburg (040), Frankfurt (069) und München (089) bleiben von der Regelung ausgenommen.

Damit die Umstellung reibungslos über die Bühne gehe, habe die Netzagentur frühzeitig einen vierstufigen Plan vorgelegt, erklärt Henn. Innerhalb von zwei Jahren sollte so der Umstieg auf elfstellige Telefonnummern gelingen.

Allerdings waren nicht alle Telefon-Anbieter so aufmerksam, wie es sich die Bundesnetzagentur gewünscht hätte. Trotz der Anweisung aus Bonn haben etliche Firmen ihren Kunden über Jahre weiterhin Telefonnummern mit nur zehn Ziffern zugewiesen. So teilt 1&1 seinen Kunden mit, dass „einige fälschlicherweise“ vergebene Rufnummern mit zehn Stellen nun ersetzt werden müssten. „Im Gegenzug werden wir Ihnen neue elfstellige Rufnummern zur Verfügung stellen.“

Den Schwarzen Peter schiebt 1&1 einem Sub-Unternehmen zu. Bei der Umsetzung der Anweisung aus Bonn sei es „bei unseren Technologiepartnern zu Verzögerungen gekommen“, erklärt das Unternehmen auf Anfrage. Deshalb seien „trotz der Anordnung teilweise noch weiter zehnstellige Rufnummern vergeben“ worden.

Das Unternehmen aus Montabaur steht damit nicht allein da. Kunden mit einem Telefonanschluss beim Kabelnetzbetreiber Kabel-BW beschweren sich ebenso wie Kunden des Voice-over-IP-Anbieters Sipgate. Auch Versatel sei betroffen, räumt eine Sprecherin auf Anfrage ein. „Allerdings nur in geringem Umfang.“ Für die betroffenen Kunden sei der Vorgang „sehr ärgerlich“. Versatel habe im Einzelfall Entschädigungen angeboten.

Proteste von Dirk Schenk, der neben einer neuen Rufnummer für sein Büro auch gleich noch eine neue Faxnummer verordnet bekommen hat, verhallen am 1&1-Firmensitz in Montabaur allerdings weitgehend ungehört. Aus Kulanz habe man dem Kunden ein Guthaben von 50 Euro hinterlegt, erklärt Sprecherin Julia Schaub. „Für die entstandenen Unannehmlichkeiten haben wir uns selbstverständlich entschuldigt.“ Schenk verweist hingegen auf seine Kosten für den Druck neuer Briefbögen und Visitenkarten. „Das kostet mindestens 250 Euro.“

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