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Kein Urteil im Viehhändler-Prozess

Münster - Über 120 Zuhörer im Gerichtssaal 23 warteten gestern mit Spannung auf das Urteil im Prozess um den Mordanschlag auf den 45-jährigen Viehhändler aus Südkirchen. Vergebens. Das Schwurgericht trat noch einmal in die Beweisaufnahme ein, weil der Staatsanwalt zwei Beweisanträge stellte. Er hatte für den 36-jährigen Deutsch-Polen wegen Mordversuchs und gefährlicher...

Günter Weber

Münster - Über 120 Zuhörer im Gerichtssaal 23 warteten am Mittwoch mit Spannung auf das Urteil im Prozess um den Mordanschlag auf den 45-jährigen Viehhändler aus Südkirchen. Vergebens. Das Schwurgericht trat noch einmal in die Beweisaufnahme ein, weil der Staatsanwalt zwei Beweisanträge stellte.

Er hatte für den 36-jährigen Deutsch-Polen wegen Mordversuchs und gefährlicher Körperverletzung 13 Jahre Haft gefordert, ebenso wie für den 57 Jahre alten mitangeklagten Viehhändler aus Ennigerloh, der nach Überzeugung des Staatsanwaltes den 36-Jährigen als Auftragskiller angeheuert hat, um seinen „verhassten Konkurrenten“ aus dem Weg zu räumen.

Nach dem überraschenden Geständnis des 36-Jährigen, der die beiden Pistolenschüsse auf den Viehhändler aus Südkirchen eingeräumt und den 57-Jährigen entlastet hatte, war der mitangeklagte 57-Jährige, ebenfalls Viehhändler, auf Antrag seines Verteidigers jüngst aus der Haft entlassen worden. Ein Indiz für einen möglichen Freispruch.

Doch der Staatsanwalt hakte nach. Er will sich damit nicht zufriedengeben. Der Anklagevertreter beantragte, einen Kriminalbeamten als Zeugen zu laden. Dieser würde anhand der sichergestellten SIM-Karte bestätigen, dass der Deutsch-Pole aus dem Gefängnis heraus heimlich mit seiner Berliner Freundin 160 Telefonate geführt habe.

Gleichzeitig forderte der Staatsanwalt, die im Gerichtssaal anwesende Freundin des 36-Jährigen erneut zu vernehmen, da diese bei ihrer ersten Zeugenaussage die Unwahrheit gesagt und ausgeführt habe, dass sie seit der Verhaftung ihres Freundes keinen Kontakt mehr mit ihm gehabt hätte. Es könnte sein, dass die Zeugin mit ihrem Freund auch über die Tat und eine eventuell erfolgte Geldzahlung an den Schützen gesprochen habe.

Doch die 32-Jährige ließ sich auch durch Androhung einer Haftstrafe bei einer Falschaussage nicht aus der Reserve locken. Sie bestätigte zwar, dass sie bezüglich des Telefonkontaktes gelogen habe. Aber zum Erstaunen der Zuhörer erklärte sie, dass sie mit ihrem Freund, den sie liebe, nur über ihre Beziehung und nicht über den eigentlichen Tathergang oder einen Auftraggeber gesprochen habe.

Die Freundin gab lediglich zu, was sie bereits bei der Polizei ausgesagt hatte. Ihr Freund sei nach der Tat nach Berlin gekommen, habe von einer Schießerei gesprochen, die so nicht geplant gewesen sei. „Der andere habe auf ihn gezielt, dann habe er ihn in den Hals und Kopf geschossen. Auch auf die Frage nach dem Warum hat er keine Antwort gegeben“, zitierte der Vorsitzende die damalige Einlassung der 32-Jährigen, die bei der Kammer ein unglaubwürdigen Eindruck hinterließ.

Am 26. Oktober wird nun auf Antrag des Staatsanwaltes der Polizeibeamte zu Auswertung der Telefonkarte gehört.

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