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Obama trifft den Dalai Lama

Keine andere Wahl

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Eine „Einmischung“ in die inneren Angelegenheiten Chinas sei es, lamentieren die Machthaber in Peking, dass es nun US-Präsident Barack Obama gewagt habe, den Dalai Lama im Weißen Haus zu empfangen. Damit hat sich das kommunistische Regime einmal mehr selbst ad absurdum geführt - indem es dem höchsten Repräsentanten eines demokratischen Staates vorschreiben will, mit wem er sich an einen Tisch setzt. Dass die schon zur Routine gewordenen Proteste in der Regel keine Wirkung mehr zeigen, wissen natürlich auch die Chinesen.

Doch momentan dürfte es Peking darum gehen, auch aus einem anderen Grund maximalen verbalen Druck auszuüben. China ist im Besitz von US-Schuldverschreibungen im Wert von einer Billion US-Dollar und wäre deshalb besonders stark betroffen, würde Washingtons angesichts des Streits um die Anhebung der Schuldengrenze diese Anleihen nicht pünktlich bedienen.

Peking hat wegen dieser Krise bereits schon einmal anklingen lassen, man könne künftig auch den Geldhahn zudrehen. Die Episode kam deshalb für Barack Obama zu einem vom politischen Klima her ungünstigen Zeitpunkt.

Doch diesem blieb kaum eine andere Wahl. Alle US-Präsidenten der letzten 20 Jahren haben schließlich den Dalai Lama empfangen, im letzten Jahr war er ebenfalls schon bei Obama. Und kann es sich ein Friedensnobelpreisträger leisten, einen Preis-Kollegen zu brüskieren?

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