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USC Münster

Keine Einladung für Behrens

Wilfried Sprenger

Münster - Vergangene Woche nominierte Volleyball-Bundestrainer Han Abbing sein vorläufiges Aufgebot für die EM-Qualifikation der Juniorinnen Anfang April in der Schweiz. Auch drei Talente des USC - Sina Fuchs, Rebecca Schäperklaus und Lea Adolph - freuten sich über Post vom Niederländer. Nur Kim Behrens ging leer aus, wieder einmal. Tief enttäuscht und tränenreich reagierte die 17-Jährige auf ihre Nichtberufung. Nach durchgängig guten Leistungen und mehreren Erstliga-Einsätzen in dieser Saison hatte Behrens fest mit einer Einladung gerechnet.

Einige im USC wittern nun eine Verschwörung. Hinter vorgehaltener Hand werfen sie Abbing vor, Spielerinnen zu bevorzugen, die ihm nach Berlin folgen und dort in der nächsten Erstliga-Saison im Stützpunkt-Team des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) spielen. Die USC-Talente aus dem Sportinternat machen geschlossen nicht mit. Sie wollen ihr Abitur in Münster bauen und ihre Volleyball-Karriere beim USC forcieren. Und für diese „Verweigerung“ habe Behrens nun die Quittung bekommen. Stellvertretend für die ganze Gruppe, sagen sie in Münster.

Abbing kann dem nicht folgen. „Zunächst einmal“, erklärt er, „sollte sich der USC darüber freuen, dass drei seiner Talente im Aufgebot stehen.“ Im „Fall Behrens“ sei die Entscheidung sehr eng gewesen. „Auf ihrer Position habe ich mehrere Spielerinnen von etwa gleicher Qualität. Und da haben die, die demnächst zu uns kommen, ein kleines Extra-Plus verdient. Denn sie gehen den Weg des DVV mit.“

Abbing ist überzeugt vom Erstliga-Projekt des Verbandes. „In Berlin erfahren die Talente eine bestmögliche Förderung. Und sie messen sich mit den besten Teams des Landes, sie spielen in der Bundesliga.“ Genau das sei bei denen, die nicht nach Berlin gehen, nicht sichergestellt.

Während Kim Behrens „kein gutes Wochenende“ hatte, freuten sich Sina Fuchs, Rebecca Schäperklaus und Lea Adolph über die Nominierung. Für Sina Fuchs sieht Abbing auch in Zukunft keine Probleme. „Dass sie in Münster bleibt, ist o.k. Sie spielt da ja schon in der Stammsechs und wird ihren Weg ganz sicher gehen.“ Im Fall von Schäperklaus hat er Bedenken. „Wenn sie bei Axel Büring nur auf der Bank sitzt, wird auch ihre Position im Auswahlteam geschwächt.“ Das sei ein ganz normaler Vorgang, erklärt der Bundestrainer.

In Münster laufen sie zwar noch nicht Sturm gegen Abbing, aber der Vorwurf, dass er nicht nach dem Leistungsprinzip aufstelle, wurde am Wochenende mehrfach formuliert. Der Niederländer kann das nicht verstehen und weist die Kritik zurück. „Natürlich kommt zuerst die Leistung“, sagt er entrüstet.

Kim Behrens hatte am Freitag von ihrer Nichtberücksichtigung erfahren. „Von Dritten“, wie USC-Präsident Matthias Fell bemerkt. Denn jene Kader-Athleten, die keine Einladung erhielten, wurden vom Verband nicht benachrichtigt. Gestern gab sich Behrens schon wieder kämpferisch. „Die Absage hat weh getan. Aber sie ist mir auch Ansporn, noch besser zu werden. So gut, dass der Bundestrainer nicht mehr an mir vorbeikommt.“ Abwarten, ob dies klappt. Jedenfalls soll Abbing in einem Gespräch mit einem USC-Mann deutlich gemacht haben, dass er bei der Weltmeisterschaft 2011 nahezu ausschließlich auf Spielerinnen setzen wolle, die dann auch in Berlin trainieren.

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