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Keine leichte Aufgabe

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Das Ergebnis ist knapp, die Fußstapfen des Vorgängers sind groß, die Aufgaben gewaltig, die Mehrheitsverhältnisse im Rat unübersichtlich - es ist kein leichtes Amt, das Münsters neuer Oberbürgermeister Markus Lewe im Oktober antritt.

Und Lewes größtes Problem dürfte der Rat sein. Denn da herrschen „strubbelige Verhältnisse“, wie es am Sonntag ein Kommunalpolitiker formulierte: Es gibt künftig keine schwarz-gelbe Mehrheit mehr, auf die sich der Oberbürgermeister stützen könnte. CDU und FDP kommen zusammen auf 38 Sitze. Und selbst wenn man die Stimme des Oberbürgermeisters hinzuzählt, sind das zu wenig, um in dem 81-köpfigen Gremium (80 Ratsmitglieder und der OB) eine stabile Mehrheit zustande zu bringen. Aber auch auf der anderen Seite des Rates ist keine stabile Mehrheit in Sicht.

Die Chancen von CDU und FDP, ihre Koalition mit Hilfe von UWG und ÖDP zu einer bürgerlichen Mehrheit auszubauen, stehen nicht sonderlich gut. Denn die beiden kleinen Parteien haben schon im Vorfeld klargestellt, dass eine Koalition für sie eigentlich nicht in Frage kommt. Allerdings haben sie auch signalisiert, dass sie sich andere Formen der Zusammenarbeit oder Tolerierung vorstellen können.

Daran müssen CDU und FDP arbeiten. Denn ansonsten muss sich der OB seine Mehrheit von Fall zu Fall zusammensuchen. Es gibt Ratsmitglieder, die das spannend finden oder für eine besonders schöne Form der Demokratie halten. Aber es birgt die unübersehbare Gefahr, dass Entscheidungen dem Zufall oder dem „politischen Kuhhandel“ überlassen werden. Für die, die in dieser Stadt Verantwortung tragen, wäre das auf alle Fälle eine zusätzliche Belastung - und für die Stadt insgesamt sicher eine schwere Hypothek.

Das Wahlergebnis zeigt deutlich, dass die bisherige Politik der Rathaus-Mehrheit in der Bevölkerung an Rückhalt eingebüßt hat. Das mag zum Teil an unpopulären Maßnahmen liegen, die im Zuge der Sparprogramme unvermeidlich schienen. Für den neuen Oberbürgermeister und den Rat ist das Wahlergebnis gleichwohl ein Auftrag, das Ohr noch mehr als bisher am Bürger zu haben.

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