1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Keine Rezession in Sicht: Institute erwarten weiter Wachstum

  6. >

Archiv

Keine Rezession in Sicht: Institute erwarten weiter Wachstum

wn

Frankfurt/Münster - Erst wurde die deutsche Wirtschaft als ökonomischer „Supermann“ bejubelt, jetzt reden alle von einer harten Landung. Der Katzenjammer ist groß – doch die Stimmung ist schlechter als die Lage. Die vielbeschworene Rezession steht laut Experten nicht vor der Tür.

Zwar hat das Wachstum mit einem Minus von 0,5 Prozent im zweiten Quartal eine Pause eingelegt. Doch zu einem guten Teil waren dafür Sondereffekte verantwortlich. Beschäftigungseffekte erwarten Experten wie Michael Grömling vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln durch die leichte Wachstumsdelle nicht.

Dies darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Aussichten für das zweite Halbjahr nicht rosig sind. Deutschland ist es nicht – wie lange erhofft – gelungen, sich von der schwächelnden US-Wirtschaft abzukoppeln. Die Finanzmarktkrise, der hohe Ölpreis und der starke Euro sind ein gefährlicher Cocktail. „Natürlich sind die hohen Energiepreise und die schwächelnde Weltwirtschaft spürbar“, betonte auch Grömling im Gespräch mit unserer Zeitung. Wegen des starken Jahresauftakts liegen die meisten Prognosen für 2008 noch bei zwei Prozent. 2009 dürfte die Wirtschaft aber nur noch um rund ein Prozent wachsen – das wäre das kleinste Plus seit 2004.

„Man sollte nicht schon das Gespenst einer Rezession an die Wand malen“, sagt Bundesbank-Präsident Axel Weber. Es sei typisch für konjunkturelle Wendepunkte, dass der Abschwung bei Firmen und Verbrauchern Angst auslöst und heftiger wahrgenommen werde als ein beginnender Aufschwung. Nach dem robusten Zuwachs der vergangenen beiden Jahre mit 2,9 und 2,5 Prozent sind die Deutschen verwöhnt.

Unter einer Rezession versteht man einen lang anhaltenden Abschwung mit mindestens zwei Quartalen schrumpfender Wirtschaftsleistung. Zwar dürfte die Wirtschaft im Sommer stagnieren, sich jedoch bis zum Jahresende wieder leicht erholen. „Die fetten Jahre sind vorbei“, sagt der Chefvolkswirt der Allianz/Dresdner Bank, Michael Heise. „Die Lage ist aber nicht so schlecht wie bei einigen Nachbarn.“ In Spanien und Italien stehe eine Rezession vor der Tür.

Deutschland steht in der Krise besser da als andere europäische Länder. Die Firmen profitieren von den geringen Lohnzuwächsen der vergangenen Jahre und Sanierungserfolgen, mit denen sie ihre Wettbewerbsfähigkeit gesteigert haben. Die Strukturreformen am Arbeitsmarkt (Hartz IV) sind der Wirtschaft zugutegekommen. Bei den Exporten machen Wachstumsregionen wie Russland und China Einbrüche im Geschäft mit den USA teilweise wett. Die Lage am Arbeitsmarkt – der typischerweise der Konjunktur hinterherläuft – ist noch gut. Die Zahl der Arbeitslosen könnte im Herbst laut Prognosen unter die Marke von drei Millionen sinken – dann aber wieder steigen. Erste Großunternehmen wie Siemens, BMW und Telekom kündigten bereits Stellenstreichungen an.

Startseite