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Kinder-Vernachlässigung: Meldepflicht soll Lücken aufdecken

Wilfried Goebels

Münster/Düsseldorf. Kinderärzte in NRW müssen künftig einer Zentralstelle melden, welches Kind unter fünf Jahren zu den Früherkennungsuntersuchungen (U5 bis U9) erschienen ist. Damit sollen Kinder besser vor Vernachlässigung, Misshandlungen und sexuellem Missbrauch geschützt werden.

Das Kabinett beschloss gestern eine Durchführungsverordnung zur „positiven Meldepflicht“. Anfang Oktober startet NRW in den Städten Münster, Düsseldorf und Bergkamen sowie in den Kreisen Heinsberg und Mettmann. Bis Ende 2008 soll das Meldeverfahren im ganzen Land umgesetzt werden.

„Gewalt gegen Kinder und Vernachlässigung darf nicht hingenommen werden“, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Bei der Früherkennung könnten gesundheitliche Beeinträchtigungen und Entwicklungs- oder psychische Störungen erkannt werden. Dennoch gehen bisher zehn Prozent der Eltern mit ihren Kindern nicht zur Vorsorge.

Künftig müssen Ärzte an die „Zentrale Stelle Gesunde Kindheit“ im Landesinstitut für Gesundheit und Arbeit (LIGA) in Düsseldorf melden, welche Kinder zur Vorsorge gekommen sind. Durch Abgleich mit Daten der Meldeämter lässt sich feststellen, welche Kinder nicht da waren. Diese Kinder werden dann den Kommunen und Kreisen gemeldet, so dass die Jugendämter die Familien aufsuchen und beraten können. Vorher findet eine „erinnernde Einladung“ statt – reagieren die Eltern nicht innerhalb von vier Wochen, wird das Amt tätig.

Der NRW-Landtag hatte das Gesetz zur „positiven Meldepflicht“ für Kinderärzte bereits Ende 2007 beschlossen, aber erst jetzt wurde die Durchführungsverordnung im Kabinett verabschiedet. Die Regelung sieht bisher keine konkreten Strafen vor, falls Eltern sich der Vorsorge ihrer Kinder weiter entziehen.

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