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Kirchen-Kommunikation - Jetzt ist guter Rat teuer

Münster/Rom. Die deutschen Bischöfe sind von der Rehabilitierung der vier Traditionalisten-Bischöfe gänzlich überrascht worden. Vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, heißt es, er habe kurz nach der Rückkehr von einer Dienstreise...

Johannes Loy

Münster/Rom - Die deutschen Bischöfe sind von der Rehabilitierung der vier Traditionalisten-Bischöfe gänzlich überrascht worden. Vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, heißt es, er habe kurz nach der Rückkehr von einer Dienstreise nach Paris von dem Vorgang aus der Zeitung erfahren und sei fassungslos gewesen.

Noch nie zuvor in der jüngeren Kirchengeschichte hat sich in Deutschland eine derart breite bischöfliche Kritik an einer Entscheidung des Vatikan entladen. In der Regel wagten sich zunächst Theologische Fakultäten vor, wenn es früher um den Entzug einer Lehrerlaubnis oder um strittige Bischofsernennungen ging. Doch diesmal ist alles anders; denn die Häufung der Pannen, Fehler und Ungereimtheiten im Vatikan lässt kein Ausweichen, Abwiegeln oder Ausbügeln mehr zu.

Während sein Weihbischof Hans-Jochen Jaschke zunächst noch von einem „Lapsus“ sprach, wagte sich der Hamburger Erzbischof Werner Thissen, früher Generalvikar in Münster, gestern in seiner Kritik deutlich weiter vor: Er warf dem Vatikan Schlamperei vor. „Einen Holocaust-Leugner zu rehabilitieren, ist immer eine schlechte Entscheidung“, sagte Thissen. Dabei nahm er zugleich den Papst in Schutz. Er habe das nicht gewollt und habe in erster Linie die Einheit der Kirche vor Augen gesehen. „Dass das Bemühen des Papstes mit den unsäglichen Äußerungen des Bischofs Williamson zusammenfällt, ist furchtbar.“ Nach Einschätzung Thissens hätte der Vatikan sich vor der Aufhebung der Exkommunikation allerdings besser über die Haltung des Traditionalistenbischofs Williamson informieren müssen. Es sei „schlampig gearbeitet“ worden, so Thissen. „Man hätte sich nicht nur ein Bild machen können, sondern müssen. Ob der Papst direkt oder seine Mitarbeiter, darüber kann man streiten.“ Thissen empfahl dem Papst, sich besser beraten zu lassen.

Der Hamburger Erzbischof sieht durch den Eklat erheblichen Schaden für die katholische Kirche, insbesondere im Verhältnis zu den Juden und zur Ökumene. Ähnlich äußerten sich zuvor schon die Bischöfe Robert Zollitsch (Freiburg), Karl Lehmann (Mainz) und Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart).

Unter den Kurienbischöfen herrscht nach dem Eklat offenbar eine explosive Stimmung. So soll der Leiter der römischen Bischofskongregation, Kardinal Giovanni Battista Re, nach Bekanntwerden der Äußerungen Williamsons einen Wutanfall bekommen haben. Kardinal Dario Castrillon Hoyos (79) wollte die „Versöhnung“ mit den Pius-Brüdern wohl unbedingt noch vor seiner Versetzung in den Ruhestand erreichen und sei daher für die mangelhafte Überprüfung und damit für das Desaster verantwortlich, heißt es weiter.

In Kirchenkreisen werden nun Konsequenzen gefordert. Der Papst müsse sich noch einmal in aller Deutlichkeit gegenüber den Juden entschuldigen. Zweitens müsse ein runder Tisch zum Thema „Innerkirchliche Kommunikation“ eingerichtet werden.

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