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Arbeitssieg in Bochum

Kirsch und der SCP heben ab

Alexander Heflik

Bochum - Dann waren es nur noch vier, die übrig geblieben sind im Titelrennen. Außer Preußen Münster dürfen sich noch Borussia Mönchengladbach 2, 1. FC Kaiserslautern 2 und Eintracht Trier Chancen ausrechnen, die Sportfreunde Lotte sind bei zehn Punkten Rückstand auf den SCP von dieser Aufgabe wohl entbunden. Gleich fünf Zähler sind es, die den Spitzenreiter aus Münster nach dem 2:1 (0:0)-Auswärtserfolg beim VfL Bochum 2 vom ersten Verfolger trennen. Die Sache bekommt Konturen.

Doch an Hochrechnung enwill sich (noch) keiner beteiligen. Der wieder einmal überragende Innenverteidiger Patrick Kirsch verweist in solchen Fällen lapidar darauf, dass es nur drei Punkte in Bochum gab, und dass am kommenden Freitag die nächsten drei im Heimspiel gegen den SC Wiedenbrück abrufbar sind sowie spätestens am 28. Mai abgerechnet wird. Trainer Marc Fascher, ein auch auf diesem Gebiet durch und durch als Defensivexperte zu beschreibender Fußballlehrer, erklärte, dass er sich damit nicht beschäftige. Nun gut.

Soviel Information und Rückblick für den Moment sei aber gestattet. In der Regionalliga, die es nun in der dritten Spielzeit gibt, wurde Borussia Dortmund 2 im Jahr 2009 mit 69 Punkten Meister, 62 Zähler hätten da schon gereicht. Ein Jahr später hatte der 1. FC Saarbrücken 68 Zähler gesammelt, 66 genügten zum Titelgewinn. Münster steht acht Spieltage vor Saisonende bei 54 Punkten.

In Bochum entwickelte sich ein Drei-Phasen-Spiel. In den ersten knapp 30 Minuten passierte nicht viel. Dann aber übernahmen die Gäste aus Münster die Regie. Daniel Chitsulo schoss aus acht Metern direkt den VfL-Torwart Esser an. Sieben Minuten vor der Pause bugsierte Babacar N´Diaye aus zwei Metern den Ball nicht ins leere Tor, sondern an den Pfosten. „Ich musste an das Heimspiel gegen Dortmund denken, als Baba eine ähnliche Großchance vergeben hatte“, sagte Fascher. Zur Halbzeit wollte er den Routinier rausnehmen. Aber, so der Senegalese später: „Ich war der Meinung, die Mannschaft braucht mich, also habe ich den Trainer gebeten, mich im Spiel zu lassen.“

Eine gute Entscheidung war das, weil der SCP seine gute Periode nach der Pause fortsetzte. Münster drängte, und nach einem Freistoß von Patrick Huckle köpfte Patrick Kirsch (52.) zur Führung ein. Ausgerechnet Dickkopf Kirsch, der mit Bochums Christian Kalina in einem Kopfballduell so hart aneinandergeraten war, dass der VfL-Akteur mit einer schweren Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht werden musste. Bei Kirsch - bis auf eine kleine Delle nichts. Vielmehr feierte der SCP-Abwehrchef seinen Treffer mit einem Radschlag und nahezu technisch perfekten Handstandüberschlag. Kirsch: „Ich war Sportstudent, vermutlich bin ich doch koordinationsbegabt.“ Artistischer Jubel und Super-Kopfballtiming, was will man mehr.

Und dann war da noch N´Diaye, der wegen einer Oberschenkelverletzung erneut wenig trainiert hatte und nach einer Stunde aus dem letzten Loch pfiff. Doch als Massimo Ornatelli einen Eckball ziemlich präzise an den ersten Pfosten zirkelte, war N´Diaye zur Stelle. „Vielleicht ist manchmal weniger Training einfach mehr“, sagte der 37-Jährige grinsend.

Nach dem Tor zum 2:0 (67.) hätte Ruhe einkehren können, wäre da nicht prompt der Ballverlust von Oliver Glöden gewesen, aus dem das 1:2 durch Roman Prokoph resultierte. Die Gastgeber kämpften nun verbissen, drängten die zu passiven Gäste weit zurück, zumindest war jetzt Leben in der Bude. Irgendwie ging alles gut, ehe Mehmet Kara mit einem halsbrecherischen und missglückten Dribbling vor dem VfL-Strafraum den Bochumern einen Konter erlaubte, an dessen Ende ein Pfosten-Kopfball von Prokoph (89.) stand. Der SCP im Glück, aber, so Coach Fascher: „Das haben wir uns hart erarbeitet.“

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