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Rot Weiss Ahlen

„Kirsche“ hält die Punkte fest

Franz Prinz

Ahlen/Rostock - Bei klirrender Kälte wurde den wenigen mitgereisten Fans von Rot-Weiß Ahlen am Freitag in der Rostocker DKB-Arena kurz vor Spielende der Zweitliga-Partie beim FC Hansa ganz warm ums Herz, als plötzlich der aufgerückte Rostocker Kevin Schöneberg frei zum Schuss kam und fast noch den Ausgleich erzielt hätte. Doch Sascha Kirschstein flog in die Torecke und bekam das Leder direkt auf der Torlinie zu packen. Kurz darauf war die Partie vorbei und RW hatte dank Jenners Tor aus der 13. Minute nicht nur drei Punkte mehr auf dem Konto, sondern konnte sogar erstmals seit dem achten Spieltag den letzten Tabellenplatz verlassen, weil Koblenz zeitgleich in Oberhausen mit 0:2 unterlag. „Das ist für die Psyche unglaublich wichtig“, hatte sich Ahlens Aufsichtsrats-Boss Bernd Mehring schon vor einer Woche gewünscht, „die Rote Laterne endlich abzugeben“.

Freitagabend musste er auf der Tribüne „unglaublich leiden“, streckte aber am Ende beide Arme in den eiskalten Ostsee-Himmel. Julian Jenner riskierte in der 13. Minute einen Schuss aus etwa 13 Metern, Rostocks Tim Sebastian fälschte unglücklich ab und über Torhüter Alexander Walke hinweg senkte sich der Ball ins Tor der Platzherren. Ein Glückstor - aber was soll´s, schon zu oft in dieser Saison hatte den Ahlenern Fortuna nicht zur Seite gestanden.

Weil die Mannschaft von Trainer Christian Hock in der Folgezeit das Spiel nach vorne mehr oder weniger einstellte und ihr Heil nur noch in der Defensive suchte, diktierte nur noch der FC Hansa das Geschehen. „Das ist mir etwas zu passiv, hoffentlich wird der Druck nicht zu groß“, blickte auch Team-Manager Ronald Maul zur Pause etwas skeptisch drein. Zurecht. Nachdem die Platzherren schon kurz vor dem Seitenwechsel durch Gardar Johannsson und Mario Fillinger bei zwei Top-Möglichkeiten an Sascha Kirschstein gescheiterte waren, rückte Ahlens Keeper auch im zweiten Durchgang immer häufiger in den Blickpunkt des Geschehens und hatte gleich nach dem Wiederanpfiff (52.) das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite, als Fillinger frei stehend aus vollem Lauf drei Meter vor dem Ahlener Tor nur die Latte traf und Ahlens Keeper im Nachfassen den Ball in Sicherheit bringen konnte. „Da habe ich schon nicht mehr daran geglaubt, dass wir heute noch punkten“, erzählte der Rostocker Spieler später. Ganz im Gegensatz zu Kirschstein, der „ahnte, dass nach einer solchen Situation nicht mehr viel anbrennen kann“.

Tat es auch nicht. Nur in der Nachspielzeit mussten er und seine Kollegen noch einmal zittern, doch weil der Ahlener Torhüter auch diese prekäre Situation mit seinem Hechtsprung auf die Torlinie bereinigte, war dieser Auswärtssieg unter Dach und Fach und der Pulsschlag der kleinen Ahlener Anhängerschar ging wieder in den Normalbetrieb über. Eigentlich hätte Mohammed Lartey zwei Minuten vor dieser Szene alles klarmachen müssen, doch er scheiterte nach einem Konter an Walke.

Nach dem Schlusspfiff besetzten mehrere Hundert Rostocker Fans die Ausgänge der DKB-Arena, schlugen Scheiben ein und forderten den Rücktritt der Verantwortlichen. Hansa-Trainer Thomas Finck hatte sich zwar direkt nach Spielende schon den Fans gestellt, konnte sie aber offenbar nicht entscheidend beruhigen. „Ich musste zu ihnen gehen, weil ich gemerkt hatte, dass es in ihnen kochte.“ Ob der ehemalige Assistent des kürzlich entlassenen Andreas Zachhuber auch noch in einer Woche auf der Bank der Hanseaten sitzen wird, muss seit Freitag zumindest bezweifelt werden, denn auch unter seiner Leitung bleibt die Hansa-Kogge weiter torlos (nun schon 499 Minuten) und steckt mit nur vier Punkten Vorsprung auf Rot-Weißen Ahlen ab sofort mitten im Abstiegskampf.

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