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Klagen über Schulstress

Dorle Neumann

Münster/Düsseldorf. Das neue Schuljahr in NRW ist gerade einmal vier Wochen alt – und schon werden die Klagen immer lauter, dass die Hausaufgaben in der Sekundarstufe I des Gymnasiums für die Kinder und Jugendlichen unzumutbar geworden sind. Hintergrund ist die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur, die eine Erhöhung der Wochenstundenzahl an Gymnasien bedingt.

Die Verlagerung und „Verlängerung“ des Unterrichts in die Hausaufgaben dürfe nicht sein, mahnt die Vorsitzende der Landeselternschaft an Gymnasien, Gabriele Custodis, im Gespräch mit unserer Zeitung. Das Mehr an Stoff dürfe nicht an Schüler und Eltern weitergereicht werden. „Oft fehlen neue Konzepte an den Schulen“, wirft sie den Lehrern vor.

Der Chef des Philologenverbandes NRW, Peter Silbernagel, räumt ein, dass die Probleme nicht „von heute auf morgen“ zu lösen seien, er fordert zugleich einen „selbstkritischen Umgang“ mit der Hausaufgaben-Problematik von seinen Lehrerkollegen. Trotz der Musterlehrpläne im Netz hätten noch längst nicht alle Lehrer für sich geklärt, „welchen Stellenwert und welchen Umfang Hausaufgaben haben sollten“. Dies verlange natürlich auch den „Verzicht auf Dinge, die man immer gemacht hat“.

Zumindest an den langen Schultagen mit Unterricht bis in den Nachmittag habe sich an den Schulen durchgesetzt, keine Hausaufgaben für den nächsten Tag aufzugeben, loben sowohl Custodis als auch Silbernagel.

Der Vorsitzende des Bundeselternrates, Dieter Dornbusch, hatte in einem Interview geklagt, Eltern seien bei der Hausaufgaben-Betreuung zu „Hilfslehrern“ geworden. Dadurch gehe die Schere zwischen den Kindern aus Akademiker-Haushalten und aus bildungsferneren Familien immer weiter auseinander. Seine Lösung: „ein massiver Ausbau der Ganztagsschulen“. Das wiederum sieht Custodis anders: „Nicht alle Eltern sind auf Ganztagsschulen erpicht. Schließlich sollen ihre Kindern ja auch noch Zeit für den Sportverein oder die Musikschule haben.“

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