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„Klang der Stille“: Beethovens Letzte

Hans Gerhold

Konservatoriumsstudentin Anna Holtz (Diane Kruger) wird 1824 von Musikverleger Schlemmer engagiert, um die Noten von Maestro Ludwig van Beethoven (Ed Harris), der an der Neunten Symphonie arbeitet, zu Papier zu bringen.

Der taube Komponist findet es lachhaft, dass ihm ausgerechnet eine Frau helfen soll. Aber das ändert sich, als sich Anna langsam unentbehrlich macht. Der Alte wird sogar ein wenig eifersüchtig Annas Verlobtem (Matthew Goode) gegenüber. Bei der Aufführung der Neunten sitzt Anna versteckt im Orchestergraben und „dirigiert“ den gehörlosen Meister, der ihre Zeichen vor dem Pult aufnimmt.

Die zehnminütige Szene wird zum Höhepunkt einer Geschichte, die frei erfunden ist. Regisseurin Agnieszka Holland und ihre Drehbuchautoren wollen mit dieser filmischen Pilgerfahrt zu Beethoven anscheinend zur Legendenbildung beitragen, was Musikwissenschaftler weniger erfreuen dürfte. Ansonsten gehört die Mischung aus Klangwelt, Gefühl und Kostümdrama trotz guter Schauspieler – vor allem Diane Kruger („Troja“) in überzeugender Hartnäckigkeit – zu den Filmen, die in edler Absicht entstehen.

Abteilung: nobel, langatmig. Oder als Tribut an Frauen, die hinter großen Männern stehen. Müssen sie deshalb aus Ludwig eine Marionette mit Musik machen? Das wäre echt – Beethovens Letzte.

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