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Auslaufmodell Dorfschule?

Kleine Grundschule in Bedrängnis

Hilmar Riemenschneider

Düsseldorf - Es trifft wieder einmal die Dörfer. Nicht wenige kleine Orte im Münsterland bangen um ihre Grundschulen, weil nicht mehr ausreichend Kinder angemeldet werden. Schon jetzt können im Kreis Steinfurt vier Grundschulen nicht mehr die erforderliche Mindestgröße von 18 Schülern je Klasse vorweisen, sind also nicht mal mehr einzügig.

Aus einer Aufstellung, die der CDU-Schulexperte und Fraktionsvize Klaus Kaiser erstellt hat, geht zudem hervor, dass vier weitere Grundschulen im Kreis Steinfurt gerade noch einzügig laufen. Auch in den Kreisen Borken und Coesfeld sind es je vier, in Münster sind es fünf und im Kreis Warendorf weiß er von zehn solcher Grundschulen.

Drei davon würden bereits als sogenannter Grundschulverbund geführt. Dabei schließen sich mehrere Grundschulen zusammen, um die rechtlichen Vorgaben einzuhalten. Die sehen eigentlich eine zweizügige Grundschule vor, die ideale Klassengröße von 24 Kindern gilt allerdings nur als Richtwert.

Schulministerin Sylvia Löhrmann hatte diese Vorgaben noch im März per Erlass bekräftigt und die Schulträger aufgefordert, „durch schulorganisatorische Maßnahmen angemessene Klassen- und Schulgrößen zu gewährleisten“. Das entspreche der geltenden Rechtslage, betonte eine Ministeriumssprecherin gestern. Im Schulgesetz, auf das sich Rot-Grün mit der CDU verständigen will, solle dazu eine neue Regelung getroffen werden.

Der Vorschlag von Kaiser und der CDU liegt auf dem Tisch: Die Mindestgröße der Klassen solle auf 15 Schüler abgesenkt werden. Zugleich fordert der Schulpolitiker mehr Lehrkräfte auf dem Land. Entsprechend dem schon heute angewandten Sozialindex regt er einen Flächenindex an, um einer „Verödung der Schulstandorte“ entgegenzuwirken.

„Kurze Beine - kurze Wege“, lautet ein CDU-Schlagwort. Aber auch Kaiser glaubt: „Man wird nicht alle Dörfer als Schulstandorte halten können.“ Aber sie sollten möglichst lange gestützt werden, daran hänge unmittelbar die dörfliche Identität. Deshalb müssen sich auch weitere Kommunen im Münsterland auf neue Strukturen einstellen, weil ihre Grundschulen nur noch 1,5-zügig laufen. Betroffen sind in den Kreisen Borken und Coesfeld je vier, in Münster sieben und im Kreis Steinfurt sogar 17 Grundschulen. Kaiser will mit Löhrmann kooperieren: „Wir sind auch an einer Lösung interessiert.“

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