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Die Arche

Kleinen Rackern Rücken stärken

Maria Meik

Münster. Leon möchte klettern. Patrick überlegt kurz und will schaukeln. Jiltanos Augen beginnen zu leuchten, als Motopädin Claudia Bogatzki die Therapieschaukel ins Spiel bringt und sie per Seilschaft an der Decke befestigt. Fröhliches Kinderlachen gibt den Ton an im Motopädie-Raum in der Arche, in der es an diesem Morgen schwungvoll zugeht. Auch Maik ist mit von der Partie. Dem Blondschopf ist die Schaukelaktion doch nicht so ganz geheuer. Er möchte runter. Sofort wird die Schaukel gestoppt, Praktikantin Anja Meyer kümmert sich um Maik und wirft ihm einen Ball zu.

Derweil geht auf der Schaukel die Post ab. Die drei Jungs haben einen Heidenspaß, erhalten immer wieder viel Lob von Claudia Bogatzki, die sie in ihrem Tun bestärkt und ihre Fantasie anregt. Sie sind gut drauf, die kleinen Racker, die sich auf der Therapieschaukel plötzlich wie in einem Flugzeug fühlen. Da entdecken sie Anja, aus der ganz schnell ein Hai wird. „Peng, Peng!“ Mit ihren Zeigefingern erledigen sie prompt den „Hai“ und lachen dabei um die Wette.

Nicht nur die vier Jungs fühlen sich stark in der Arche – dem heilpädagogischen Kindergarten an der Diesterwegstraße in Kinderhaus. 45 Jungen und Mädchen besuchen die Einrichtung, die von Monika Lehr mit Herzblut geleitet wird – die alles daransetzt, ihren Schützlingen zur größtmöglichen Selbstständigkeit zu verhelfen.

Die drei- bis sechsjährigen Kinder, etwa die Hälfte von ihnen benötigt Pampers, wären in einem Regelkindergarten oder in einer integrativen Gruppe gänzlich überfordert. Ihre geistige Entwicklung ist verzögert. Manche leben in ihrer eigenen Welt, andere sind derart offen für Reize, dass die Konzentration auf der Strecke bleibt.

Umso mehr bedürfen diese Kinder größter Aufmerksamkeit. Und die bekommen sie von Fachkräften in der Arche, in der es überaus geordnet zugeht. Rempeleien, Streitereien – Fehlanzeige. In der Arche ist es ruhiger als in einem Regelkindergarten. Viele der Kleinen können sich nicht artikulieren, bringen vereinzelt verschwommen Wörter hervor. Andere können sich hervorragend ausdrücken, bedürfen dennoch der gezielten Förderung. Und diese ist geprägt von einer großen Wertschätzung der kleinen Persönlichkeiten durch das engagierte Arche-Team.

Das Bistum Münster unterhält als Träger baulich die ansprechend ausgestaltete Einrichtung. Für Extrawünsche bleibt jedoch kein Geld übrig, wie für einen dringend benötigten Schwingboden im Motopädie-Raum.

Der alte Teppichboden ist Notbehelf und genügt nicht den Anforderungen, die kleine Füße auf ihrem Weg ins Leben haben. „Über die Bewegung wird die Wahrnehmung angesprochen. Teilweise rollen die Kinder ihre Füße nicht ab, haben einen zu schwachen oder zu hohen Muskeltonus“, sagt Claudia Bogatzki. Ein Schwingboden wäre auch aus hygienischen Gründen angebracht, da manche Kinder bei aufregenden Spielen schon mal „auslaufen“. Wichtig für die Körpererfahrung sei zudem der Einsatz eines Rollbretts, das aber auf dem Teppichboden nicht ins Rollen kommt.

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