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G8 Aktuell

Klimaschutz Top-Thema beim G8

Stefan Felten

Berlin/Brüssel – Es ist der Gipfel der schlimmsten Klimasünder. Wenn sich die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G8) vom 6. bis 8. Juni im Ostseebad Heiligendamm treffen, weisen ihre Nationen - zusammengerechnet – eine üble Bilanz vor. Fast die Hälfte aller Treibhausgase kommen aus den Fabrikschloten dieser Volkswirtschaften.

Die Nummer eins sind mit weitem Abstand die USA, deren Dreckschleudern jährlich etwas mehr als ein Fünftel (22 Prozent) solcher Gase wie Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre blasen. Aus Russland kommt fast jede siebte Tonne CO2. Und das möchte die derzeitige G8-Präsidentin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, angesichts alarmierender Berichte über die Folgen der Erderwärmung langfristig ändern.

Sie hat sich vorgenommen, US-Präsident George W. Bush von möglichst verbindlichen Zielen zu überzeugen. 2012 läuft das KyotoProtokoll zum Klimaschutz aus. Da liegt harte Arbeit vor der Kanzlerin: Das Kyoto-Protokoll haben die USA nämlich gar nicht erst ratifiziert. Und auch bei Konferenzen über den zweiten und dritten Teil des UN-Klimaberichts im April in Brüssel und im Mai in Bangkok setzten die US-Experten alles daran, die Endfassungen der wissenschaftlichen Studien zu verwässern. Zwar äußerte auch Bush jüngst beim EU-USA-Gipfel in Washington Sorge über den Klimawandel. Eine gemeinsame Strategie mit der Europäischen Union liegt ihm dennoch fern.

Merkel weiß, dass der Ehrgeiz der EU, den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich zu reduzieren, wirkungslos verpufft, wenn sich die USA weiter vor einer globalen Vorreiterrolle drücken. Denn die Führer aufstrebender Volkswirtschaften wie China und Indien, die am letzten Tag des Gipfels mit am Konferenztisch in Heiligendamm sitzen, werden sich kaum in den globalen Klimaschutz einbinden lassen, wenn die USA außen vor bleiben. Die beiden asiatischen Aufsteiger und die G8 kommen zusammen auf zwei Drittel aller Treibhausgas-Emissionen.

Da verunsicherte Bürger angesichts der Schreckensszenarien von Tausenden Hitzetoten und überfluteten Landstrichen rasche Antworten der Politik erwarten, schaffte es die gelernte Physikerin Merkel, wenigstens die 27 EU-Staaten auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Die EU will bis 2020 den Ausstoß von Treibhausgasen um ein Fünftel im Vergleich zu 1990 verringern. Sollten andere Wirtschaftsblöcke in Amerika und Asien mitziehen, will sie sogar um 30 Prozent weniger Emissionen ausstoßen.

Ob Bush in seiner auslaufenden zweiten Amtszeit angesichts der zugespitzten Lage im Irak-Krieg den politischen Willen aufbringt, seinen Landsleuten mit ihrer Vorliebe für Sprit saufende Autos oder der heimischen Industrie strenge Auflagen zu machen, bleibt abzuwarten. Aber Bush ist nicht der einzige, der Merkels Absicht eher skeptisch begegnet. Russlands Präsident Wladimir Putin profitiert davon, dass sein Land mit den Vorprodukten einer möglichen Klimakatastrophe – Öl, Gas und Kohle – glänzende Geschäft macht. Und mit dem Geld kommt auch politischer Einfluss der Nation zurück, die noch 1999 beim Kölner G8-Gipfel um Schuldenerlass bitten musste.

Ebenfalls reserviert dürften die Nummer zwei und fünf in der TopVerschmutzer-Liga – China und Indien – auf Merkels Vorhaben reagieren. Die Führungen dort setzen auf Wachstum statt auf Umweltschutz, um der Massenarmut Herr zu werden. Auch die Ankündigung Chinas, „grüner“ werden zu wollen, dürfte da mit Vorsicht zu genießen sein. Selbst wenn das Land nur ein wenig auf die Wachstumsbremse drückt, muss es doch weiter gewaltige Mengen Energie fressen, um seine Position als Werkbank der Welt zu behaupten. Das dürfte Chinas Staats- und Parteichef Hu Jintao beim Gipfel deutlich machen. Denn China spürt bereits den Atem des Konkurrenten Indien.

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