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Klimawandel bedroht die Vielfalt von Tieren und Pflanzen im Münsterland

Martin Ellerich

Münster - Ein stiller Frühling - für Dr. Thomas Fartmann ist das die Horrorvorstellung. Doch der Albtraum vom Schweigen im Walde droht immer realer zu werden: Die Waldschnepfe, die Nachtigall, der Kiebitz - sie alle werden durch den Klimawandel bis 2050 deutlich zurückgehen, fürchtet der Landschaftsökologe der Uni Münster.

Er hat mit Kollegen aus ganz Deutschland die Auswirkungen der Klimaveränderungen auf die Tiere und Pflanzen in Nordrhein-Westfalen untersucht. Fazit: „Es werden in den nächsten 40 Jahren durch den Klimawandel und intensive Landwirtschaft im Münsterland so viele Tierarten bedroht sein oder verschwinden, wie wir es hier seit Jahrhunderten nicht erlebt haben.“

Andererseits werden zwar auch Tiere neu zuwandern. „Aber: Interessante Vögel verschwinden, ,Allerweltsarten wie Ringeltaube, Kormorane und Graureiher werden häufiger“, bedauert Fartmann, der zusammen mit seinem münsterischen Kollegen Prof. Norbert Hölzel die Untersuchung geleitet hat.

Rund 3000 Tier- und Pflanzenarten haben die Forscher untersucht. Ihre Prognose: Für etwa 20 Prozent der Tierarten wird der Klimawandel positive Folgen haben, für 26 Prozent negative. „Das heißt: Sie werden seltener werden oder aussterben“, sagt Fartmann.

Säugetiere, Vögel, Amphibien, Fische, Laufkäfer und Weichtiere sind nach der Erkenntnis der Forscher besonders betroffen. So seien bei allein 24 Prozent der Brutvögel negative Folgen zu erwarten. Der Grund: Wenn es - wie die Klimaforscher voraussagen - bis 2050 im Münsterland um etwa zwei Grad wärmer, im Winter feuchter, dafür im Sommer deutlich wärmer und trockener wird, fehlt vielen Tieren schlicht der Lebensraum. Feuchtgebiete werden austrocknen. „Auf die Waldschnepfe müssen wir dann wohl verzichten“, sagt Fartmann. „Die Nachtigall wird zurückgehen - sie braucht feuchte, unterholzreiche Wälder.“ Der Laubfrosch werde keine Laichgewässer mehr finden, ergänzt er. Die Kreuzotter, die sich heute noch durchs Venner Moor schlängelt, ist ebenfalls einer der Verlierer des Klimawandels. Der Große Brachvogel, der sich im Recker Moor wohlfühlt, wird seltener werden. Dem Kiebitz werden starke Niederschläge in der Brutzeit zu schaffen machen.

Ähnlich sieht es bei den Schmetterlingen aus: Dem „Großen Eisvogel“ werden die kalten Winter fehlen, die er braucht, befürchtet Fartmann.

Doch es gibt auch Gewinner des Klimawandels: der Schwalbenschwanz etwa. Diese Schmetterlingsart war bis in die 90er Jahre hierzulande kaum zu beobachten. Er wird mit der Wärme zuwandern und seine Eier an die Möhren legen. „Wir werden in den nächsten Jahrzehnten dramatische Veränderungen erleben“, bedauert Fartmann, „die Vielfalt der Arten, die den Reichtum des Münsterlandes ausmacht, geht verloren.“

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