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Knatsch hinter der Harmonie-Kulisse

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Rheine. Wenn sie auf der Bühne sind, verbreiten sie Harmonie und gute Laune. Aber hinter den Kulissen gibt es jetzt einen handfesten Krach: Das erfolgreiche Volksmusik-Duo Judtih & Mel hat gegen seinen früheren Geschäftspartner Reinhold Wöste Strafanzeige erstattet. Der Geschäftsführer der Veranstaltungsagentur Palatin Music GmbH aus Freren soll Künstlern das zustehende Honorar nicht bezahlt haben, lautet der Vorwurf des Künstlers Mel Jersey. Die Staatsanwaltschaft Osnabrück bestätigt, dass in der Sache ermittelt werde. Auch von Amts wegen sei ein Verfahren eingeleitet worden.

Und es ist nicht nur das Künstlerpaar, das Geld von Palatin Music fordert. Auch Rheinenser beklagen, dass die Firma aus dem emsländischen Freren ihnen noch Geld schuldet. Dabei handelt es sich um Kunden, die im Vorverkauf Karten für das „Großes Wunschkonzert der Volksmusik“ erworben hatten. Die Veranstaltung der Palatin Music GmbH sollte am 14. Oktober in Rheine stattfinden, ist dann aber aufgrund mangelnder Nachfrage von Wöste abgesagt worden. Nach Angaben des Veranstalters waren etwa 200 Karten für das Konzert abgesetzt worden. Ende September versicherte Wöste auf MV-Anfrage, dass den Kartenkäufern „das Eintrittsgeld auf jeden Fall innerhalb von 14 Tagen erstattet“ werde.

Der Rheiner Heinrich F. hat seinen Anspruch auf Eintrittsgeld-Rückerstattung am 27. September per Einschreiben an Palatin Music geltend gemacht. „Bislang warte ich vergeblich auf das Geld“, sagte F. im MV-Gespräch. Mehrfach hat er versucht, telefonisch Kontakt mit der Agentur in Freren aufzunehmen. Auch vergeblich. Seit Tagen läuft dort nur eine Stimme vom Band: „Zurzeit sind alle Mitarbeiter in einem Gespräch. Sie erhalten den nächsten freien Platz ...“, heißt es in der Endlosschleife.

„Wir haben nun mal viel zu tun“, sagt Reinhold Wöste. Der Palatin Music Geschäftsführer räumt im Gespräch mit der MV ein, dass „einige Ansprüche noch offen“ seien. „Ich werde das bis zum Ende der kommenden Woche regeln“, sagte Wöste. Er machte keine Angaben dazu, wie viele Kunden Ansprüche geltend gemacht haben, wie viele er ausgeglichen hat und wie viele noch offen stehen.

Bereits im Vorfeld der geplatzten Konzertveranstaltung in Rheine hatte Mel Jersey berichtet, dass Palatin Music zwar mit seinem Namen und dem Namen anderer bekannter Volksmusik-Künstler für die Veranstaltung in Rheine werbe, es aber mit Palatin keine entsprechenden Verträge gebe.

Er habe jahrelang gut mit Palatin Music zusammengearbeitet. Mit einem Schlag habe sich das aber geändert, sagt Künstler Mel Jersey. Sein Vorwurf: „Das Publikum wird wissentlich betrogen - und das auf den Schultern der Künstler. Das ist Rufmord, der macht uns das Publikum kaputt“, erregt sich Mel. Keine Spur von Harmonie und guter Laune, wie man es von ihm auf der Bühne kennt.

„Mächtig Zoff im Musikantenstadl“ lautete damals der Titel der MV-Geschichte, die auch im Internet veröffentlicht wurde. Inzwischen schildern auch enttäuschte Palatin Music-Kunden aus anderen Regionen Deutschlands ihre Erfahrungen. „Auch die Veranstaltung in Aalen, die im März 2010 angesetzt war, und auf den 30. September verschoben wurde, ist abgesagt worden“, schreibt Manfred H. aus Ellwangen. Die Ticket-Rückabwicklung hat er bei Palatin Music versucht. Erfolglos. „Fazit: Bis heute kein Geldeingang. Die Firma ist weder telefonisch noch per E-Mail zu erreichen.“

Mel Jersey berichtet zudem von ähnlichen Fällen in Hagen oder Salzgitter: „Das ist Betrug. Palatin Music schadet unserem Ruf. Das muss ein Ende haben“, schimpft der Volksmusiker.

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