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Rot Weiss Ahlen

Kollektives Aufatmen

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Ahlen. „Was ist hier heute los?“, rief Lars Toborg verzweifelt in den blauen Fußballhimmel und ruderte mit seinen Armen durch die Luft, so als ob er am liebsten abheben und davonfliegen wollte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten er und seine Kollegen 55 so schwache Minuten im Wersestadion gegen den SC Energie Cottbus 2 gespielt, dass er offenbar Beistand von oben für nötig hielt. Die Antwort erhielt Ahlens Torjäger jedoch nicht von oben, sondern vom Kollegen Marcel Busch. „Alles abhaken und schnell vergessen, wir haben doch gewonnen“, flachste der Rechtsfuß kurz nach dem Schlusspfiff. Aus gutem Grund, hatte er doch mit demselben und nach schönem Pass ausgerechnet von Lars Toborg das goldene Tor erzielt und hiermit Riesenanteil an Ahlens knappem 1:0-Sieg nach einem zugegebenermaßen mehr als enttäuschenden Spiel.

Doch davon wollten die meisten Spieler nach ihrem kollektiven Siegesjubel nichts mehr wissen. Lars Toborg lief stürmisch auf Marcel Busch zu, schnappte sich den späten Torschützen und drückte ihm einen dicken Schmatzer auf die Wange. „Ich bin so froh, dass wir die drei Punkte haben“, freute er sich, um anschließend voller Dankbarkeit doch noch einmal beide Arme Richtung Himmel zu recken. So als ob es doch Beistand aus anderen Regionen gegeben hatte.

Eigentlich war schon nach wenigen Minuten dieser Regionalliga-Partie klar, wie sie laufen würde. Cottbus entpuppte sich als mustergültig funktionierendes Defensivbollwerk, das ebenso wie Ahlen im 4:1:3:2-System spielte, die Räume für den heimischen Club geschickt minimierte, um gleichzeitig jede Chance für ein schnelles Spiel nach vorne zu nutzen. Dies gelang überraschend oft, weil die Ahlener die Zweikämpfe nicht suchten, Einsatz und Leidenschaft vermissen ließen und zudem in der Viererkette erneut taktisches Fehlverhalten an den Tag legten. Nur deshalb kamen Marc Hensel (10.), Ame Feick (21.) und Daniel Ziebig (44.) zu dicken Möglichkeiten, die sie allerdings fast schon fahrlässig vergaben. „Das ist halt unser Problem, wir haben ja nicht umsonst erst zwei Tore erzielt, obwohl wir in den ersten Saisonspielen ähnlich gut agiert haben“, ärgerte sich Energie-Coach Heiko Weber.

Erst eine „für meine Verhältnisse lautstarke Ansprache“ rüttelte zumindest einige Ahlener Spieler wach. Christian Wück wusste, „dass ich in der Pause einiges sagen musste“. Phasenweise blitzte jetzt auch etwas Kampfgeist auf, Chancen erspielte sich die Wück-Elf jedoch nur, weil dessen Kollege Weber ebenfalls in der Halbzeitpause mehr von seiner Mannschaft verlangte. „Ich habe meinen Spielern gesagt, dass sie jetzt nach vorne spielen sollen, denn wir wollten endlich unseren ersten Sieg in dieser Saison, und der lag ja in der Luft.“ Tat er auch. Zum Beispiel in der 52. Minute, diesmal rettete Sven Schaffrath. Oder fünf Minuten später, als Ziebig gefoult wurde. Zum Glück blieb der Pfiff von Schiedsrichter Thomas Gorniak aus.

Weil die Lausitzer jetzt ihrem Trainer gerecht werden wollten, die Defensive etwas lockerten, hierbei jedoch zu sehr nach vorne stürmten, kamen die Platzherren endlich zu Möglichkeiten und zum besten Spielzug der Partie. Der Kombinationsfußball zwischen Wiemann, Großkreutz und Toborg (66.) blieb allerdings ebenso so erfolglos wie eine scharfe Hereingabe von Kevin Großkreutz nur drei Minuten später. Der eingewechselte Sebastian Schoof (Christian Wück hatte inzwischen auf 4:3:3 umgestellt) und Lars Toborg verpassten den Ball beziehungsweise trafen ihn nicht richtig. Da jedoch aller guten Dinge bekanntlich drei sind, war es schließlich RW Ahlens dritte Möglichkeit, die dem Team das erhoffte Erfolgserlebnis bescherte. Dramaturgisch hätte es nicht besser laufen können, als Manuel Lenz nach genau 90 Minuten den Ball weit in die Cottbusser Hälfte schlug, Lars Toborg direkt zu Marcel Busch passte und dieser mit einem Linksschuss flach und unhaltbar einschoss. Das war’s.

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