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Komischer Kauz: Christoph Maria Herbst ermittelt als "Kommissar Kreutzer"

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München - Der Pianist, offensichtlich blind, beteuert erneut, nichts gesehen zu haben, was zur Aufklärung des Mordes an der schönen Sängerin beitragen könnte. „Der Gag wird nicht besser“, raunzt ihn der Kommissar gegenüber an. Später muss sich der Musiker von diesem Rüpel noch vorhalten lassen, dass er als Pianist gescheitert sei - Behindertenbonus hin oder her. Ist dieser Kommissar Kreutzer immer so drauf?

Ja. Seine Ermittlungsmethoden sind mitunter pervers. Sie irritieren - nicht nur die Verhörten. Seine Schimpftiraden kennen keine Anstands-Grenzen. Er lässt rassistische Parolen vom Stapel, mokiert sich über Schwarze wie Schwule gleichermaßen. Und er versteht sich aufs Tarnen, Tricksen und Täuschen, um die Verdächtigen mit sichtbarer Lust und wirrem Blick in die Enge zu treiben. Dafür hält er, was er gebetsmühlenartig verspricht: „Ich bin Kommissar Kreutzer und löse den Fall.“

Wer anderes könnte die Rolle dieses irren Typen besser verkörpern als „Stromberg“-Darsteller Christoph Maria Herbst? Seine neue Figur hat viel von dem Verwaltungs-Macho, der Anarchie im Kleinen betreibt und am 1. November - im Anschluss an die Premiere des Kreutzer-Pilotfilms um 20.15 Uhr bei Pro Sieben - in Wiederholungen der vierten Stromberg-Staffel zu sehen ist.

Angesprochen auf den ungehobelten Kreutzer, sagt Herbst: „Ich bin es nicht, es ist die Figur, die so etwas sagt. Ich bin in erster Linie dafür verantwortlich, die Figur überzeugend zu spielen.“ Herbst weiter gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: „Wenn ich einen Mörder oder Triebtäter spiele, muss ich es ja auch nicht gutheißen, was in der Rolle passiert.“

Im Pilotfilm zu einer möglichen Serie muss er den Mord an einer Bar-Sängerin im Hotel aufklären und treibt dabei nicht nur die um Diskretion bemühte Hotelchefin (Leslie Malton) mit seinen Ermittlungsmethoden an den Rand des Wahnsinns. Kreutzers Pluspunkt ist, dass er einem Verbrechen so unnachgiebig nachschnüffelt wie einst der makellose Hercule Poirot.

Kein unerkannter Sohn der Hotelchefin, der sich als Kellner verdingt und heimlich mit Rauschgift dealt, bleibt unentdeckt, kein noch so einflussreicher Russe kann sich davonschleichen. Auch wenn der exzentrische Kreutzer für die Vereitlung der Flucht eins auf die Nase kriegt: Er deckt die Abgründe und wahren Leidenschaften der möglichen Täter auf und präsentiert diese ohne Umschweife.

Vier Stunden, 37 Minuten und 48 Sekunden - einer Formel folgend - gönnt er sich pro Fall. Dann muss die Sache klar sein. Das erklärt sein rabiates Vorgehen, macht aber den kuriosen Kreutzer sehenswert.

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