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Konfliktsteine und Kindersoldaten

Hans Gerhold

Im Auftrag internationaler Edelsteinkartelle schmuggelt der zynische Söldner Danny Archer (Leonardo Di Caprio) Diamanten aus Sierra Leone, die er von Rebellenführern erworben hat. Als er 1999 im vom Bürgerkrieg verwüsteten Land von Regierungstruppen ins Gefängnis gesteckt wird, bekommt er mit, dass Fischer Salomon (Djimoun Hounsou) während seiner Zwangsarbeit in einer am Fluss gelegenen Mine einen 100-Karat-Rohdiamanten vergraben hat, der Millionen bringen würde.

Danny heftet sich an Salomons Fersen, der will aber den Stein nur preisgeben, wenn ihm Danny hilft, seine Familie wiederzufinden. Dafür braucht Danny die Hilfe der cleveren Journalistin Mandy Bone (Jennifer Connelly), die Salomons Familie in einem Flüchtlingscamp in Guinea ausfindig macht. Nur der Sohn fehlt, ist von Rebellen zum schießwütigen Kindersoldaten umerzogen worden.

Die Jagd nach dem Konfliktstein führt das Trio zwischen die Fronten von Rebellen, Regierungstruppen, Kindersoldaten und Söldnern und gestaltet sich als eminent spannendes episches Actionabenteuer mit sozialpolitischem Herzschlag. Denn der präzise recherchierte Film lässt die internationalen Hintergründe des Handels mit Klunkern, an denen die von Blut getränkte Erde des afrikanischen Kontinents klebt, nicht außen vor, thematisiert sie während der Odyssee des Trios in aufklärerischen Dialogen. Die hemmen das Geschehen nicht, im Gegenteil, sie unterfüttern den Konflikt mit erzählerischer Glaubwürdigkeit.

Für den emotionalen Konflikt steht Leonardo Di Caprio, der nie, auch in „The Departed“ nicht, besser war als hier, wo er vom kaltblütig tötenden Söldner zur Heldenfigur auf der Suche nach Erlösung wird. Gegenfigur ist Hounsou, der den unerschütterlich Vater und stolzen Afrikaner spielt, der die Folgen des Neokolonialismus überwinden will. Dazwischen agiert Jennifer Connelly als journalistisches Gewissen und sorgt im Epilog für ein befriedigendes moralisches Ende.

In Afrika gedreht, mit traumhaften Landschaftsaufnahmen und virtuos inszenierten Actionszenen, hat Edward Zwick („Last Samurai“) bei aller Spannung auch verstörende Sequenzen parat. Wenn Kinder hier mit Drogen und Gehirnwäsche zu Kampfrobotern erzogen werden, die mit AK47-Gewehren im Anschlag auf ihre Väter zielen, hat der Film eindeutig im Sinn, sein Publikum wachzurütteln.

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