1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Königskinder: Studie zweifelt am Kinderhospiz

  6. >

Homepage Thema 5

Königskinder: Studie zweifelt am Kinderhospiz

Dirk Anger

Münster - Fast eine Million Euro an Spenden sind in der Region inzwischen für das Kinderhospiz Königskinder gesammelt worden. Die Idee der Vereinsgründerin und inzwischen hauptamtlichen Geschäftsführerin Anna Pein hat weite Kreise gezogen. Dabei schürt eine vom Verein selbst in Auftrag gegebene Bedarfsanalyse, die unserer Redaktion vorliegt, massive Zweifel an der Notwendigkeit und wirtschaftlichen Tragfähigkeit eines solchen Projekts.

„Von Seiten der Verbände und der Politik wird bereits angemerkt, dass kein weiterer Bedarf an stationären Kinderhospizen bestehe“, schreibt Prof. Dr. Friederike Störkel von der Fachhochschule Münster in ihrer Analyse aus dem Jahr 2008 - dem Jahr, in dem die gemeinnützige Gesellschaft Kinderhospiz Königskinder ihren Betrieb aufgenommen hat.

Und weiter heißt es im Gutachten: „Grundsätzlich ist bei der Anzahl der geplanten Hospize im Einzugsbereich für das Hospiz Königskinder zumindest in den Anfangsjahren eher von einer niedrigeren Auslastung auszugehen.“ Die Professorin vom Fachbereich Pflege und Gesundheit riet unter diesen Umständen bereits vor zwei Jahren dazu, eine Kostenrechnung „unter ungünstigen Bedingungen“ aufzustellen.

Anna Pein hat dagegen für den Einzugsbereich ihres geplantes Hospizes - „eine Stunde Anfahrtszeit“ - „mehr als 1000 betroffene Familien“ ausgemacht, die auf das Angebot zurückgreifen könnten. Die Fragen der Familien nach einem Kinderhospiz bestärkten sie in der Annahme, dass ein solches Projekt im Münsterland nötig sei, erklärte Pein gestern, ohne dabei das Störkel-Gutachten zu erwähnen.

Das Kinderhospiz Königskinder ist in die Schlagzeilen geraten, seit der Verein einen auch von Geschäftsführerin Pein unterschriebenen Kooperationsvertrag mit dem Johannes-Hospiz für Erwachsene massiv in Frage stellt.

Auf neuerliche Nachfrage nannte Pein unterdessen erstmals öffentlich die angebliche Zahl der vom Kinderhospiz Königskinder betreuten Fälle: Nach dieser Darstellung besuchen neun Kinder (zweiwöchentlich) den sogenannten Königskinder-Club für Trauernde. Und weiter: „Wir betreuen fünf Familien.“ In einem Interview in dieser Woche hatte sich Pein zunächst geweigert, konkrete Zahlen zu nennen.

Weiter unklar ist die Höhe der Verwaltungskosten: Über ein Siegel des sogenannten Spenden-TÜVs, des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), verfügen die Königskinder nicht. „Wenn das wirklich gewünscht wird, müssen wir das angehen“, so Pein, die sich dabei bislang sehr reserviert gezeigt hat. Kürzlich hatte sie auf Kosten von bis zu 10 000 Euro für eine solche Prüfung verwiesen. Was das DZI indes als „grob missverständlich“ bezeichnete, hängen doch die Gebühren vom Spendenaufkommen ab. Bei einer Million Euro im Jahr werde nur ein Betrag von 850 Euro fällig.

Startseite