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Konkurrenz für Banken: LVM positioniert sich als Finanzdienstleister

Andreas Fier

Münster - Die LVM-Versicherungen rücken Banken und Sparkassen, die über ihr Filialnetz zunehmend auch Versicherungen vertreiben, auf den Pelz und positionieren sich als Partner für Finanzdienstleistungen. „Wir haben Vertrauen vor Ort aufgebaut. Dazu zählt auch die Geldanlage“, sagte Vorstandsmitglied Jochen Herwig am Dienstag in Münster.

Als einer der wenigen deutschen Versicherer biete der LVM seinen Kunden seit dem vergangenen Jahr ein eigenes Konto an, sagte Vorstandschef Robert Baresel. Partner ist die 100-prozentige LVM-Tochter Augsburger Aktienbank. Mit dem sogenannten „Vorteilskonto“ würden Versicherungsbeiträge und Rückzahlungen attraktiv verzinst, so Baresel. Vertrieben wird das Durchlaufkonto über die Vertrauensleute in den Geschäftsstellen. Laut Baresel haben sich seit der Einführung im April 2009 über 25 000 Kunden für das kostenlose Zweitkonto entschieden.

Als Anbieter von Girokonten wolle der LVM am Markt nicht auftreten, betonte der Vorstandsvorsitzende - auch wenn der Versicherer mit seiner Bankentochter dazu die Möglichkeit habe. Gleichwohl will der LVM verstärkt auf Finanzdienstleistungen setzen. Neben Baufinanzierungen und Autokrediten wachse der LVM auch beim Angebot von Tagesgeldkonten, sagte Lothar Behrens, Vorstandsmitglied der Augsburger Aktienbank. Allein bei den täglichen verfügbaren Anlagen sei der Bestand im vergangenen Jahr um über acht Millionen auf 160,4 Millionen gewachsen.

Große Bargeldbeträge hatten dem LVM im vergangenen Jahr auch im Bereich der Lebensversicherungen ein überdurchschnittliches Wachstum von fast elf Prozent beschert. Auf der Suche nach sicheren Anlagen mit hoher Verzinsung hatten sich viele Kunden für eine Lebens- oder Rentenversicherung entschieden und dort hohe Einmalzahlungen geleistet. Insgesamt seien über 80 Millionen an Einmalzahlungen eingegangen, so Baresel. „Im Schnitt haben die Kunden 30 000 angelegt.“ Neben Erbschaften oder ausgezahlten Lebensversicherungen hätten viele Anleger auch das Urlaubs- und Weihnachtsgeld in ihre Altersvorsorge investiert. Angesichts fallender Zinsen beim Festgeld und Tagesgeld hätten einige Kunden auch ihre Bankguthaben aufgelöst und in eine Lebensversicherung investiert, sagte Baresel auf Nachfrage.

Profitiert hat der LVM zudem von der Abwrackprämie. Durch den hohe Zahl von Neuzulassungen sei auch die Zahl der Vollkasko-Versicherungen gewachsen, so Baresel. Die Beiträge in der Kfz-Versicherung werden nach Worten des Vorstandschefs im laufenden Jahr aber nicht weiter sinken. „Hier ist der Bodensatz erreicht.“

Am Stammsitz in Münster will der LVM mit ambitionierten Neubauplänen nicht nur optisch wachsen. Allein im Januar und Februar verzeichnete der Versicherer ein Beitragsplus von 7,5 Prozent. Im laufenden Jahr rechne das Unternehmen mit einem Wachstum von mehr als vier Prozent, so Baresel. Der LVM setzt sich damit deutlich von der Branche ab. Der Dachverband GDV hatte in der vergangenen Woche betont, die Versicherungswirtschaft müsse im laufenden Jahr mit einem Nullwachstum oder sogar einem leichten Minus rechnen.

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