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Rot Weiss Ahlen

Kopf hoch, Augen auf

Franz Prinz

Ahlen - Auch wenn die Tendenz deutlich nach oben zeigt, nach vorne fehlt es RW Ahlen an Durchschlagskraft. Positiv ist, dass das Team mehr Spielanteile hat, mehr Zweikämpfe gewinnt, defensiv kompakter steht, schon viel besser verschiebt als noch vor Wochen und sogar in der Lage ist, den Ausfall fast der kompletten Viererkette zu kompensieren. Doch 0:0 gegen den SC Paderborn hat die Offensiv-Schwächen der Rot-Weißen einmal mehr offengelegt.

Einschränkend muss berücksichtigt werden, dass mit Omodiagbe, Döring und Busch drei Spieler fehlten, die aus der Defensive heraus mehr Akzente nach vorne setzen können, als am Freitag zu sehen war. „Wir drehen uns irgendwie im Kreis“, bemängelte Christian Hock, der in den wenigen Wochen, die er bislang in Ahlen tätig ist, schon viele Rädchen bewegt hat. Ob Laufwege, Verschieben, taktisches Verhalten oder Defensivarbeit insgesamt, hier haben die Rot-Weißen deutliche Fortschritte gemacht und sogar gezeigt, dass die Mannschaft doch gewisse Qualitäten hat. „Die haben wir auch, das sieht man doch“, bestätigt Nils-Ole Book fast schon trotzig. „Und dass wir noch nicht aufgegeben haben, kann man doch auch sehen, wir werden Woche für Woche stabiler, nur der Sieg will einfach nicht kommen“, so der Mittelfeldspieler.

Book glaubt in der Tat noch an den Klassenerhalt, „weil ich aktuell viele gute Ansätze sehe“. Was indes auch gegen Paderborn nicht gelang, war das letzte, vielleicht entscheidende Aufbäumen, welches nötig ist, um einen Dreier zu landen. Dazu gehört einfach, dass Stürmer wie Toborg, und Reichwein auch mal zentral stehen und zur Stelle sind, wenn ein Ball mal in die Mitte oder auf den kurzen bzw. langen Pfosten geschlagen wird. Oder dass ein Außenstürmer wie Bröker bei seinen Angriffsversuchen den Kopf hebt, den Blick für Situation und Mitspieler sucht.

Solange seine Augen jedoch überwiegend an Boden und Ball kleben, kann der Pass nicht ankommen, landet der Ball vielleicht nur an der Latte und nicht im Tor.

Es sind diese letzten kleinen Dinge, die noch fehlen, diese letzten Quäntchen Kampf und Verbissenheit, aber auch Stellungsspiel und Spielverständnis. Da kann kein Trainer der Welt helfen, da müssen die Spieler sich selbst motivieren und regulieren. Kopf hoch, Augen geradeaus und einfach auch mal etwas riskieren.

Dennoch wird die Forderung nach Verstärkungen immer lauter. Nur, woher sollen denn zu dieser Jahreszeit die Spieler kommen, die Ahlen entscheidend weiterbringen? Hochkaräter können es nicht sein, die stehen allesamt bei anderen Klubs unter Vertrag. Da kann nur ein Glücksgriff helfen, das weiß auch Christian Hock, der deshalb besonders kritisch schauen wird, wenn auch in dieser Woche wieder zwei Ausländer zum Probetraining erscheinen. Wenn es passt, wird RW zuschlagen, um bis zur Winterpause noch jede Chance auf weitere Punktgewinne zu nutzen.

Wenn nicht, müssen die aktuellen Kicker vor allem offensiv noch diesen einen Tick zulegen, noch mehr riskieren, egal ob bei Schüssen aus der zweiten Reihe, mutigen Flanken von den Außen oder geschickterem Stellungsspiel am kurzen oder langen Pfosten. So sind in den jetzt anstehenden Spielen in Aachen, gegen Karlsruhe, in Frankfurt und gegen Cottbus vielleicht doch noch einige Punkte bis zur Winterpause drin, in der dann gezielt nach qualitativen Verbesserungen wie zum Beispiel Marcel Heller von Eintracht Frankfurt (die „AZ“ berichtete) Ausschau gehalten werden kann.

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