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Filmrezensionen

Krach der Kulturen

wn

Es war schon sonderbar genug, dass der letztjährige Wirbel um die Mohammed-Karikaturen ausgerechnet in Dänemark losgetreten wurde. Schließlich erwartete man nicht, dass es ausgerechnet im vermeintlich toleranten Skandinavien zu einer so heftigen und sogar gewalttätigen Auseinandersetzung im Zusammenprall der Kulturen kommen würde.

Deshalb überrascht es auch nicht, dass die dänische Regisseurin Annette K. Olesen, die zuletzt den nicht minder düsteren „Dogma“-Film „In deinen Händen“ vorlegte, in ihrem neuen Werk ein äußerst finsteres Bild der Vorstadtgesellschaft unseres nördlichen Nachbarlandes zeichnet. Gedreht wurde zeitgleich zum Karikaturenstreit.

In einer neuerlichen Paraphrase der Geschichte von „Romeo und Julia“ geht es um ein dänisches Schulmädchen namens Mie und ihre Liebe zu Hadi, Spross einer palästinensischen Einwandererfamilie. Kurz bevor das Tauwetter der Toleranz alles zum Guten wenden kann, wird Mies Bruder ins Koma geprügelt – ausgerechnet von Hadis älterem Bruder, wie bald gemunkelt wird. Argwohn und Rachedurst vergiften fortan das Klima im Kopenhagener Problemviertel, und Olesen bestärkt uns bis zum Schluss nicht gerade im Bemühen, an eine geglückte oder noch glückende Integration von Muslimen ins (noch) vorwiegend christliche Europa zu glauben.

Am Anfang zoomt die Regisseurin aus maßstabsgroßen Bauplänen von der Ferne in den Nahbereich der Sozialsiedlung: „1:1“ soll ihr Gesellschaftsporträt also mit der Wirklichkeit korrespondieren. Doch das Shakespeare-Szenario wirkt letztlich dann doch zu konstruiert, um wirklich glaubwürdig zu sein. Man möchte fast sagen: Zum Glück.-gpa-

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