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Filmrezensionen

Kriegerwitwen locken und töten

Hans Gerhold

Die berüchtigten „Lonely Hearts Killers“ Martha Beck und Raymond Martinez Fernandez, die Kriegerwitwen mit Annoncen anlockten, sich als Geschwister ausgaben und die Opfer ums Leben brachten, bevor sie 1949 gefasst und hingerichtet wurden, gehören zu den grausig-berühmten Fällen der amerikanischen Kriminalgeschichte.

1969 entstand mit Leonard Kastles Krimi „Honeymoon Killers“ der erste, fast vergessene Schwarzweißfilm um das Liebespaar, dessen sexuelle Abhängigkeiten und Akte nach wie vor schockieren. In dem Krimi war Martha eine rundliche Frau, im Remake zeigt Salma Hayek, was eine strahlend schöne, grandiose Mörderlady so alles bewirken kann. Zum Beispiel ihren Partner Ray (Jared Leto als zwanghafter Gigolo mit Halbglatze) immer wieder zu verblüffen. Martha und Ray lernen sich kennen, als er sie eigentlich ausnehmen will. Die Hörigkeit des Paares, dessen Opfer neben dem Bett verbluten, während Martha mit Ray schläft, führt noch vor dem letzten Mord zu Zerwürfnissen, weil sie ein Kind will.

In spannenden parallelen Sequenzen zum Treiben und Toben von Martha und Ray ermitteln John Travolta und James Gandolfini („Die Sopranos“) als Police Detectives in einem Fall, der sie an die Grenzen ihrer Vorstellungskraft treibt. Travolta legt als „Buster“ Robinson, dessen Frau im Vorspann Selbstmord begeht, eine Studie in fabelhaft mürrischer Depression hin, aus der ihn auch die Geliebte (Laura Dern) nicht erlöst. Regisseur Todd Robinson, der zu dem Drama eine persönliche Affinität hat, weil sein Großvater bei der Festnahme des Paares als Polizist zugegen war, inszeniert ähnlich wie kürzlich Brian De Palma in „Black Dahlia“ mit Retro-Noir-Flair in Brauntönen und mit wunderbaren Großaufnahmen von Salma Hayek, die überdecken, dass sie „the beginning of a bad end for a lot of peole“ spielt. Sehenswert.

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