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Krise ohne Ende

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Thailand ist ein zutiefst gespaltenes Land. Auf der einen Seite steht das über Jahrzehnte regierende Lager der Bangkoker Elite - einige mächtige Familien mit Nähe zum Königshaus, die die Macht unter sich aufgeteilt haben. Auf der anderen Seite steht die in der Regel sehr arme Landbevölkerung, die häufig unter postkolonialen Bedingungen lebt. Mühsam wurde diese Kluft über Jahre nach außen versteckt, in den Touristenhochburgen des beliebten asiatischen Reiselandes bekamen die ausländischen Devisenbringer wenig davon mit.

Seit es mit der thailändischen Wirtschaft aber bergab geht, sind die Ungerechtigkeiten nicht mehr zu verheimlichen. Trotz seiner fast demokratischen Kultur ist Thailand mit dem Aufstieg eines Selfmade-Milliardärs zum sozialen Idol der armen Massen und Ministerpräsidenten gegen den Willen der alten Elite umgegangen wie ein totalitärer Staat.

Nach der Wahl von Thaksin Shinawatra 2001 wurden Mittel und Wege gesucht, ihn wieder loszuwerden. Da der Regierungschef nun wahrlich keine überzeugende Lichtgestalt der Demokratie war und das Dauerproblem asiatischer Politik - Korruption und Vetternwirtschaft - auch ihn betraf, dauerte es kein Jahr, bis Thaksin abtreten musste.

Seitdem kommt das Land nicht zur Ruhe, das Thaksin-Lager und das Bangkoker Bürgertum schicken abwechselnd ihre Anhänger auf die Straße. Zumindest auf die längere Zeit offene Frage, für welche Seite das Militär Sympathie zeigen wird, haben die vergangenen Tage eine Antwort gefunden: Sie stehen hinter der alten Machtelite.

Gleiches gilt auch für den 82-jährigen kranken König Bhumibol. Wer gehofft hatte, der Monarch würde seine Autorität nutzen, um zur Versöhnung beizutragen oder Gräben zu überwinden, ist bitter enttäuscht worden.

So ist es kaum noch zu verhehlen, dass der am längsten amtierende Regent der Welt zwar von seinem Volk verehrt wird, aber die Zügel im Land längst von anderen in der Hand gehalten werden, die mit allen Mitteln ihre Macht er- und behalten wollen. Doch das Thaksin-Lager wird kaum nachgeben - so ist ein Ende der Krise nicht absehbar.

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