1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Kruzifix-Interview: CDU rebelliert gegen Aygül Özkan

  6. >

Politik Inland

Kruzifix-Interview: CDU rebelliert gegen Aygül Özkan

Volker Resing und Wilfried Goebels

Berlin/Hannover - Die Unruhe in der CDU ist groß - doch sie wird ihr Amt antreten dürfen: Die CDU-Politikerin Aygül Özkan wird am Dienstag trotz ihres Interviews als erste muslimische Landes-Ministerin in Deutschland vereidigt.

Am Wochenende hatte die türkischstämmige CDU-Politikerin mit einem Interview für Wirbel gesorgt. Darin hatte sie gefordert, christliche Kreuze, genauso wie Kopftücher, an staatlichen Schulen zu verbieten. Dagegen regte sich am Montag massiver Widerstand. Sogar Kanzlerin Merkel stellte sich offen gegen die CDU-Nachwuchshoffnung. Auch der nordrhein-westfälische Integrationsminister des Landes NRW, Armin Laschet (CDU), reagierte kritisch: „Christliche Symbole sind als Teil unserer Identität und Kultur ausdrücklich erlaubt und gehören in die Schulen.“

In Niedersachsen will man sich derweil die Stimmung nicht vermiesen lassen. In der CDU-Landtagsfraktion hieß es am Montag, es seien „Irritationen und Missverständnisse“ gewesen, die nun ausgeräumt seien. Allgemein wird mit der Bestätigung Özkans durch den Landtag und ihrer Vereidigung gerechnet. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) erklärte den Streit für erledigt. „Frau Özkan akzeptiert, dass in Niedersachsen in den Schulen Kreuze willkommen und gewünscht sind. Sie trägt diese Linie mit.“

Derweil hält in Berliner CDU-Kreisen und in Bayern die Verärgerung an. „Man muss sich fragen, ob Özkan in der richtigen Partei ist, wenn sie ein Problem mit christlichen Symbolen hat“, fragt zum Beispiel Stefan Müller von der CSU. Er ist in der Bundestagsfraktion der Union für Integration zuständig. Die Kirchenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Flachsbarth, betonte, das Kreuz habe seinen „selbstverständlichen Platz in der Öffentlichkeit“. Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, lehnt ein Kruzifix-Verbot an staatlichen Schulen ab. Kreuze seien Ausdruck einer jahrhundertealten christlichen Tradition in Deutschland.

Unterstützung bekam die künftige Ministerin in Niedersachsen von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD).

Startseite