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Rot Weiss Ahlen

Kuddelmuddel ruft den DFB auf den Plan

Cedric Gebhardt

Ahlen - Neulich bei der Mitglieder-Infoveranstaltung hat Michael Mönig einen schönen Satz gesagt. „Nach außen hin würde man dem Verein nicht anmerken, dass er vor der Insolvenz steht. Der Spielbetrieb läuft, die Autos fahren - alles ist beim Alten geblieben“, konstatierte Rot-Weiß Ahlens vorläufiger Insolvenzverwalter.

Tatsächlich aber gärt es unter der Oberfläche - und zwar gewaltig. „Wir haben uns schlecht verkauft“, gesteht Jörg Hellwig selbstkritisch im Rückblick auf die Infoveranstaltung, die vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist.

Der RW-Vizepräsident war es auch, der auf der Veranstaltung erklärte, neben Heinz-Jürgen Gosda habe der ehemalige Geschäftsstellenleiter Stefan Renner die dubiosen Namibia-Verträge mit unterzeichnet. Das wiederum entspricht nicht den Tatsachen wie Renner, der seine berufliche Reputation gefährdet sieht, durch einen Fachanwalt für Arbeitsrecht erklären ließ (siehe Widerruf). Auch vom DFB kam die schriftliche Bestätigung: „Die beiden dem DFB vorliegenden Sponsorenverträge zwischen Rot-Weiß Ahlen und der Firma InduBerg Namibia sind nicht von Stefan Renner unterzeichnet worden“, stellte Markus Stenger, Abteilungsleiter Spielbetrieb des DFB, klar.

Stenger sagte auf „AZ“-Anfrage zudem: „Die Dinge, die vom Verein dargestellt werden, müssen nicht immer eins zu eins der Faktenlage entsprechen. Das kann vereinspolitische Gründe haben. Wir verfolgen diese Entwicklung, die wir als sehr schwierig einschätzen, sehr aufmerksam.“ Jörg Hellwig wiederum beteuert, er habe auf der Info-Veranstaltung nicht davon gesprochen, Stefan Renner habe den Namibia-Vertrag unterzeichnet. „Stefan Renner hat lediglich die Lizenzunterlagen beim DFB eingereicht und unterschrieben“, so Hellwig.

Doch auch das stimmt in dieser Form nicht. Der DFB äußerte sich auf „AZ“-Anfrage nicht dazu, wer die Unterlagen unterschrieben hat. Wohl aber Insolvenzverwalter Michael Mönig, dem die Dokumente vorliegen.

Erst nach hartnäckigem Nachbohren und der Konfrontation mit verschiedenen Namen bestätigte dessen Pressesprecher Holger Voskuhl: „Den Namibia-Vertrag hat nur Heinz-Jürgen Gosda unterschrieben. Die Lizenzunterlagen für die Zweite Liga wurden von Herrn Gosda und Rainer Kriwat unterzeichnet.“ Wer die Lizenzunterlagen für die Dritte Liga unterschrieben hat, war hingegen nicht einmal für Michael Mönig herauszufinden. Das entsprechende Anschreiben war bis Donnerstagabend unauffindbar.

Das Kuddelmuddel wirft einmal mehr die Frage auf, wer bei Rot-Weiß Ahlen eigentlich bei derart wichtigen Dokumenten wie Lizenzunterlagen oder Sponsorenverträgen ein Auge auf deren korrekte Unterzeichnung hat. Aufsichtsratsvorsitzender Bernd Mehring sagt: „Einen Vertrag mit einem Großsponsor aus Namibia wurde mir nicht vorgelegt, und ich kann auch nicht sagen, wer ihn unterschrieben hat.“

In die gleiche Kerbe schlägt auch Vizepräsident Jörg Hellwig: „Ich habe den Namibia-Vertrag definitiv nicht gesehen.“ Weil die Posse um die windigen Verträge mit der Firma InduBerg Namibia rund um eine afrikanische Goldmine das ohnehin schon angespannte Verhältnis zu den eigenen Fans zusätzlich ramponiert und die Glaubwürdigkeit der Verantwortlichen massiv gelitten hat, hat Bernd Mehring eine außerordentliche Mitgliederversammlung angeregt. Diese soll zeitnah nach dem letzten Saisonspiel in Rostock stattfinden.

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