1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Kulturhauptstadt "Ruhr 2010": Feier mit Flocken und Feuer

  6. >

Kulturhauptstadt Ruhr 2010

Kulturhauptstadt "Ruhr 2010": Feier mit Flocken und Feuer

unserem Redaktionsmitglied Johannes Loy

Essen - Das Schneetief „Daisy“ war zwar nicht ganz harmlos. Es kam jedoch eher wie eine etwas unterkühlte Frau Holle daher, nicht wie eine garstige Schwiegermutter, die allen die Freude am Feiern verdirbt. Die Kulturhauptstadt Ruhr durfte also am Wochenende planmäßig im jungen Jahr 2010 an den Start gehen.

Es war längst dunkel geworden, als ein Zwei-Meter-Mann sich den Weg durch Schneematsch und Besuchergruppen bahnte: Fritz Pleitgen, Chef der Veranstaltergesellschaft, zeigte sich im Gespräch mit unserer Zeitung sichtlich erleichtert: „Dieser Auftakt lässt für das Kulturhauptstadtjahr viel erwarten.“ Die Präsidenten Horst Köhler und José Manuel Barroso hätten ihn beglückwünscht, zumal der geplante Programmablauf der Eröffnungsveranstaltung bis zuletzt „Spitz auf Knopf“ gestanden habe. „Sie können schreiben: Pleitgen ist zufrieden“, sagte Pleitgen etwas gönnerhaft und strebte dann dem nächsten Promi-Empfang entgegen.

Trotz witterungsbedingt verspäteter Landung in Düsseldorf betrat Bundespräsident Horst Köhler kurz nach 15.30 Uhr bei heftigen Schneetreiben mit schmuckem Hut die Bühne und wünschte der neuen deutschen Kulturhauptstadt für das Jahr 2010 ein herzliches „Glück auf“. „Hier gibt es viel zu entdecken“, ermunterte der Bundespräsident alle Kulturinteressierten, ins Ruhrgebiet zu kommen - in eine Region mit Kirchen, Burgen, Schlössern, neuen Museen und Kunststätten und nicht zuletzt mit liebenswerten Menschen. Mit fünf Millionen Einwohnern ist das Ruhrgebiet bekanntlich das größte Ballungszentrum Europas. Die Menschen in dieser Region seien bodenständig und weltoffen, sagte Köhler weiter. Die Arbeit und oft auch der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel hätten die Menschen zusammengeschweißt. „Kultur hilft, Würde zu bewahren und Wandel zu bewerkstelligen“, so brachte der Bundespräsident die Kraft der Kultur auf den Punkt. Im Ruhrgebiet sei Kultur „keine elitäre Veranstaltung, sondern lebensgestaltende Kraft für alle.“ Kultur helfe dabei, die Welt zu verstehen: „Statt der Kohle unter Tage wollen wir die Schätze fördern, die in den Köpfen und Herzen der Menschen schlummern!“ José Manuel Baroso, Präsident der Europäischen Kommission, stellte sich auf der Zeche Zollverein in fließendem Deutsch vor, so dass die Übersetzerin gar nicht in Aktion zu treten brauchte. Der „Kohlenpott“ sei ein Schmelztiegel der Völker und Kulturen, meinte Barroso. Die Vielfalt der Region in Wirtschaft und Kultur sei heute größer denn je, „und Fußball wird hier auch gespielt“. Die faszinierende Reise durch die Kulturhauptstädte Europas dauere nun schon 25 Jahre. Von der Akropolis in Athen vor 25 Jahren sei man nun in der Zeche Zollverein in Essen angekommen. „Ganz Europa feiert mit Ihnen das Jahr 2010“, sagte Barroso und wünschte allen Menschen im Revier ein gutes neues Jahr.

Startseite