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Kulturhauptstadt Ruhr 2010: Richtfest für die Kultur-Metropole

unserem Redaktionsmitglied Johannes Loy

Essen - Noch zehn Wochen trennen das Ruhrgebiet vom Titel „Europäische Kulturhauptstadt 2010“. Was am 9. Januar 2001 mit ersten Planungen an Ruhr und Emscher begonnen hatte, das wird nun Wirklichkeit. Trotz Finanzkrise, Konjunkturloch, Spardiktat und einer über lange Zeit im Revier zu spürenden Teilnahmslosigkeit steigt die Aufmerksamkeits- und Fieberkurve jetzt doch deutlich nach oben.

Das sah man am Freitag allein schon an den über 250 Journalisten und Fotografen, die sich im Essener Saalbau tapfer durch ein 220-seitiges Kulturprogramm blätterten und andächtig den Stich- und Leitworten der vortragenden Kulturexperten lauschten.

„Es ist noch eine Menge zu tun, aber wir wollen, dass es jetzt endlich losgeht“, brachte der frühere Journalist, WDR-Intendant und jetzige Vorsitzende der Geschäftsführung der Ruhr.2010-GmbH, Fritz Pleitgen, die Stimmung auf den Punkt.

Keine Frage! Wenn man sich dieses Programm anschaut, dann muss man neidlos anerkennen: Eine solche Fülle, eine solche Vielfalt, ein solcher Schmelztiegel an Ideen und Kreativität wäre in der vergleichsweise kleinen Stadt Münster nicht möglich gewesen. Das Ruhrgebiet in seiner Vielgestaltigkeit ist ein Sinnbild unserer wandelfreudigen, globalen Welt.

Fritz Pleitgen und die Programmentwickler haben von Anfang an die zündende Strategie und den roten Faden gesucht, um 53 Städte und vier Landkreise des größten Ballungszentrums Europas mitzunehmen auf eine spannende kulturelle Reise, auf der sie sich nicht nur Europa, sondern Kulturinteressierten aus aller Welt präsentieren können.

Die Formel ist klar und eindeutig: „Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel.“ Wer offenen Auges durch das Ruhrgebiet fährt, der spürt diesen Wandel schon geraumer Zeit. „Nach vielen Jahren mit Kohle und Stahl wird nun Kultur zur Antriebsfeder des Ruhrgebiets“, sagte Pleitgen gestern. Und er ergänzte: „Wir wollen das Ruhrgebiet als dynamische, polyzentrische Metropole präsentieren.“

Es würde schon sehr verwundern, wenn diese Programmpunkte nicht zünden, wobei Pleitgen am Freitag darauf hinwies, dass es pro Monat ein bis zwei behutsame Spannungspunkte geben werden, um der Region keinen Infarkt anzutun. Es sind vermutlich auch eher die kleinen, feinen Ideen, die Zündkraft entwickeln: Künstler, die zum Beispiel in 60 Ruhrgebietswohnungen aufschlagen und sie künstlerisch gestalten und umformen, oder Lichtskulpturen an markanten Punkten, gelbe Ballons, die über Schachtanlagen aufsteigen, oder auch Kirchen, Synagogen und Moscheen, in denen etwas über den Glauben der Menschen in einer Region mit gewaltigem „Migrationshintergrund“ ausgesagt wird.

„Wir starten mit einem kraftvollen Auftakt auf dem Welterbe Zollverein und starken Bildern vom Wandel durch Kultur. Das Kulturfest, die Live-Übertragung des Festaktes im Fernsehen und die Eröffnung des Ruhr-Museums am 9. und 10. Januar werden unser Leitmotiv und unserer Programmatik unmittelbar anschaulich machen“, erklärt der tatkräftige Geschäftsführer Oliver Scheytt.

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