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Bürgerschaftswahl Hamburg

Kurt Beck streut Asche auf sein Haupt

Franz Ludwig Averdunk

Berlin. Viel stand für die FDP gestern Abend auf dem Spiel. Und doch gab sich Generalsekretär Dirk Niebel von vornherein einigermaßen zufrieden – froh, dass sich für die Liberalen in Hamburg überhaupt eine Zitterpartie anbahnt hatte. Die spannendsten Minuten erlebte derweil SPD-Chef Kurt Beck im Willy-Brandt-Haus – nach seinem allzu lauten Nachdenken über die Unterstützung der Linken bei der Wahl von Andrea Ypsilanti zur hessischen Ministerpräsidentin. Eine Woge der Begeisterung schlug ihm nicht gerade entgegen, als er zum Wahlabend ins Foyer kam.

Doch die Stimmung kippte sehr schnell ins krasse Gegenteil um, als sich das gesamte Parteipräsidium auf dem Podium um ihn scharte: Jubelszenen löste diese eindrucksvolle Demonstration von Solidarität aus.

Aber Beck musste dafür seinen Preis zahlen: Er streute wegen der Linken-Liebäugelei Asche auf sein Haupt. „Irritationen“ und „bedauern“ – zwei solche Wörter nimmt ein machtbewusster Parteivorsitzender vor laufenden Fernsehkameras nicht gerade gerne in den Mund.

Im Konrad-Adenauer-Haus hatte zuvor schon Generalsekretär Ronald Pofalla Salz in diese Wunde gerieben: „Herr Beck hat in der vergangenen Woche einen schweren Fehler begangen.“ In der CDU-Bundeszentrale herrschte von vornherein ungetrübter Jubel. Dass Ole von Beust die absolute Mehrheit der CDU in Hamburg würde verteidigen können, hatte hier ohnehin niemand geglaubt.

Pofalla fand denn auch gleich zur gefälligen Sicht der Dinge nach den drei Landtagswahlen: Die SPD habe einmal (in Niedersachsen) ihr schlechtestes Ergebnis seit 1946 erzielt, zwei Mal (in Hessen und Hamburg) das zweitschlechteste. Und auf den ärgsten Stachel der Sozialdemokraten hob Pofalla zudem frohgemut ab: Dreimal habe es die SPD nicht verhindern können, dass die Linkspartei erstmals in Landtage eingezogen sei.

Was deren Geschäftsführer Dietmar Bartsch in Hochstimmung versetzte: „Die Linke kann heute feiern“, strahlte er im Karl-Liebknecht-Haus: „Das Ergebnis macht uns stolz.“

Grünen-Chefin Claudia Roth stand nach ihrem häufigen Pendeln im ICE zwischen Berlin und Hamburg noch voll im Wahlkampf: „Keine Mehrheit für gnadenlos unsoziale Bildungspolitik“. Das war aber schon der erste Satz für Koalitions-Geschnupper mit der CDU.

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