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Filmrezensionen

„Küss mich bitte!“: Zwei Ebenen von Liebenden

Gian-Philip Anreas

Schon seit längerem landet der „ungewöhnliche“ französische Film nicht mehr im deutschen Kino. Dorthin gelangt höchstens noch Wohlfühl- und Rührware, die entweder Lust auf Paris oder auf provenzalisches Landleben machen soll.

Wenn schon herkömmlich, dann wenigstens ein bisschen anders: „Küss mich bitte!“ von Emmanuel Mouret kann das bieten. Es geht natürlich um Liebe und so: Wie leicht entflammt sie? Kann man das verhindern, wenn man nicht darf und anderweitig vergeben ist? Ist Fremdgehen erlaubt, wenn die ursprünglichen Paarungen offenkundig nichts mehr taugen?

Hört sich theorielastig an und ist es auch ziemlich. In der Rahmenhandlung trifft Emilie (Julie Gayet aus „Mein bester Freund“) auf Gabriel. Es funkt sofort und Gabriel stellt die Titelforderung: Küss mich bitte! Doch Emilie zögert den erlösenden Moment fast anderthalb Stunden hinaus und erzählt zur Warnung lieber die Geschichte der Freunde Judith und Nicolas – die eigentlichen Protagonisten.

Virginie Ledoyen („Acht Frauen“) spielt, apart wie stets, die unfroh vergebene Judith. Regisseur Mouret selbst mimt den Lehrer Nicolas, der nach einer Trennung unter akutem Liebesentzug leidet und deshalb die langjährige beste, nicht feste Freundin mit der Titelforderung konfrontiert. Natürlich wären die beiden ein ideales Paar, aber bis sie das sein dürfen (und mit ihnen dann auch die Rahmenhandlungsturteltauben), müssen erst die Theoriefragen durchdekliniert werden.

Das führt zu erhellenden Momenten, darstellerischen Kabinettstückchen, bleibt aber bis zum Schluss bloße Spielerei. Wirklich ran an die Figuren kommt man da nicht, und das Experiment dürfte bald vergessen sein. Aber immerhin: Nicht herkömmlich, sondern ein bisschen anders als der gängige französische Mainstream in deutschen Kinos ist es dann ja doch.

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