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Filmrezensionen

„La Misma Luna“: Allein über die Grenze

Gian-Philip Andreas

Der Mond des Titels bescheint in Patricia Riggens Film zwei unterschiedliche Welten südlich und nördlich des Rio Grande. In Mexiko feiert Carlitos in der Obhut seiner Großmutter gerade den neunten Geburtstag, in Kalifornien arbeitet seine Mutter als Putzfrau. Vor Jahren ging sie illegal über die Grenze.

Am Ende, das ist von Beginn an klar, werden Mutter und Sohn sich wiedertreffen. Zu Beginn aber ist ein sonntägliches Ferngespräch am Münztelefon der einzige regelmäßige Kontakt. Dann stirbt die Oma, und Carlitos macht sich auf nach Los Angeles. Allein.

Großäugige Kinder auf ungeschützten Gefahrenreisen versprechen auf der Leinwand nicht erst seit „Central Station“ Erfolg; und (latein-)amerikanische Grenzkritik wird im Kino seit „Traffic“ und „Babel“ regelmäßig gepflegt. Hier kommt beides zusammen, leider nicht auf die glücklichste Weise.

Denn Riggen schleppt ihr tränenseliges Melodram zäh durch die Gefilde des Thesenfilms. Vor allem stört, dass sie in Carlitos´ Reise alle nur erdenklichen Probleme illegaler Migration hineinquetscht: Von der Grenzrazzia über die Arbeiterversklavung bis zum Straßenstrich wird alles feinsäuberlich abgehakt, bis zum Überdruss. Und die ausufernd bemühte Mond-und-Nachthimmel-Symbolik ist auch kein Werkzeug subtiler Kinoregie.

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