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Reste vom Vortag

Lärm löst Prozesslawine aus

Andreas Fier und Frank Polke

Münster/Lüdinghausen - Die Auseinandersetzungen zwischen Gastwirten und Anwohnern, die sich durch Kneipenlärm gestört fühlen, beschäftigen immer häufiger die Gerichte. Allein in den kommenden drei Monaten werden vor dem Verwaltungsgericht in Münster Klagen aus Lüdinghausen, Dülmen, Münster und Datteln verhandelt. „Wir haben eine extreme Zunahme von Auseinandersetzungen zwischen Bürgern und Städten auf der einen Seite und Gastwirten auf der anderen Seite“, erklärt Martin Lehrer, Sprecher des Städte- und Gemeindebundes NRW. Natürlich müsse man zwischen dem Interesse an einer lebendigen Innenstadt und dem Schutz der Bürger vor Lärm und Belästigungen abwägen. „Doch das gelingt immer seltener.“

Auch nicht im Münsterland: So geht es in Lüdinghausen in einem aktuellen Verfahren um die Öffnungszeiten einer Gaststätte im Innenstadtbereich. Der Gastwirt will die Beschränkung bis 24 Uhr in der Woche und am Wochenende bis 3 Uhr in der Nacht kippen. Die Stadt will dies mit Rücksicht auf den Lärmschutz nicht zulassen.

Für Aufsehen sorgt eine Klage von Anwohnern, die sich durch den Lärm einer Szene-Kneipe in Münsters Kuhviertel gestört fühlen. Sie stört ebenfalls der nächtliche Lärm - oft auch nach Mitternacht. Eine ähnliche Situation ist auch in Dülmen-Buldern zu beobachten. Dort klagen Anwohner gegen den Lärm, den Gäste eines Motorrad-Treffs vor allem am Wochenende bei der Anreise machen.

Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sieht die Gerichtsverfahren als „singuläre“ Ereignisse. „Dass es hier und da zu Reibereien kommt, ist normal“, sagt Dehoga-Sprecher Thorsten Hellweg. Im Regelfall gelinge es, sich gütlich zu einigen. Vermeiden ließen sich solche Vorfälle nicht, glaubt Hellweg. „Die Gesellschaft befindet sich im Wandel. Das geht natürlich auch nicht an den Gästen vorbei.“

Doch nicht nur der Streit um Kneipen beschäftigt die Gerichte. Auch das oft exzessartige Konsumieren von Alkohol auf Plätzen und in Parkanlagen wie zum Beispiel in den Emsauen in Telgte und am Kanal in Münster stört viele - und könnte schon bald eine Klagelawine lostreten. Grund: „Jede Stadt regelt dieses Problem individuell, oft per Satzung. Dabei fehlt eine landesweite gültige Ermächtigungsgrundlage. Wir bewegen uns im rechtsfreien Raum“, sagt der Experte vom Städtebund.

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