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"Last Days"

Hans Gerhold

Fiktionale Meditation und vor allem durch stilistische Mittel geprägte Annäherung an den inneren Aufruhr und Mythos des legendären Grunge-Musikers und Nirvana-Sängers Kurt Cobain (1967-1994), dem der Film gewidmet ist.

Regisseur Gus Van Sant („Elephant“) verfolgt Cobain, der hier Blake genannt und von Michael Pitt („Die Träumer“) gespielt wird, in seinen letzten Stunden vor dem Selbstmord und deutet den Rock-Musiker als kranken Romantiker.

Das Motiv wird zu Beginn etabliert, wenn sich Blake aus der Waldvilla schleicht, durch Baum- und Unterholzlandschaften an den Fluss gelangt und ein Bad nimmt. Das uramerikanische Ritual der Reinigung durch die Natur scheitert, weil sich Blake bei der Rückkehr nicht um Freunde, Gäste und in einer urkomischen Szene einen aufdringlichen Anzeigenverkäufer kümmert, sondern bemüht ist, sie sich vom Hals zu halten.

Noch ein Mal musiziert er genial vor sich hin, nicht mit Nirvana-Stücken übrigens, sondern von Pitt live gespielten und gesungenen Kompositionen. Dann zieht sich Blake in den Geräteschuppen zurück, wo man ihn tot auffindet. Blakes Selbstmord ist ereignisloser Höhepunkt ereignislosen Geschehens.

Mit Improvisationsspiel wird Blakes Entfremdung von der Welt deutlichgemacht, da spielen Nebenfiguren im Grunde keine Rolle mehr. Blakes träger Abschied wird als Endpunkt eines Lebens gesehen, das die Realität nicht mehr greifen kann. Interessant, aber reichlich anstrengend.

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