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Lebensmittel: Drohen ab Samstag verdeckte Preiserhöhungen?

Jürgen Stilling

Münster - Die Verbraucherschützer haben Bauchschmerzen: „Ab Samstag drohen bei vielen Lebensmitteln verdeckte Preiserhöhungen“, fürchtet Regina Heid von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Grund: Zum 11. April ändert sich - erzwungen von der Europäischen Union - die deutsche Fertigpackungsverordnung.

Milch, Mineralwasser, Fruchtsäfte, Schokolade in Tafeln und Riegeln - alle Lebensmittel darf die Industrie künftig in beliebigen Packungsgrößen verkaufen.

Heid rät deshalb den Verbrauchern: „Nicht einfach gewohnheitsgemäß zu bestimmten Packungen greifen! Ab sofort sollte der Kunde genau auf die Grundpreisangabe achten, die nach wie vor zwingend auf dem Preisschild am Supermarkt-Regal angegeben sein muss. In der Milchpackung könne in Zukunft statt einem Liter auch nur noch 0,95 Liter sein, die Tafel Schokolade könne statt 100 nur noch 93 Gramm wiegen, warnt Heid.

Andrea Moritz, Sprecherin des Bundes für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde in Berlin, wiegelte am Dienstag im Gespräch mit unserer Zeitung ab: „Das ist nur ein Aufräumen im Gesetz.“ Weil die Grundpreisangabe bestehen bleibe, sei auch weiterhin eine vollkommene Transparenz gewährleistet. Schließlich seien Mogelpackungen, also Verpackungen, die mehr Inhalt vorgaukeln als vorhanden, nach wie vor verboten.

Doch bei anderen Produkten, für die es schon länger keine Vorgaben mehr gibt, wie etwa Putzmittel oder Kosmetika, hat sich nach Angaben von Verbraucherschützern in der Vergangenheit gezeigt: Einige Hersteller verkaufen die gleiche Verpackung zum gleichen Preis - aber mit etwas weniger Inhalt.

Der Handel will aber Tricksereien nicht mitmachen. Hubertus Pellengahr, Geschäftsführer des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, versprach jüngst: „ Wir wollen unsere Kunden nicht vergrätzen - unklare Verpackungen nimmt der Handel erst gar nicht in die Regale.“

Die Verbraucher werden die Änderungen ohnehin nur langsam spüren. „Für die Industrie bringt die Umstellung der Packungsgrößen zunächst mehr Kosten, deshalb werden die Neuerungen schleichend kommen“, weiß Heid.

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