1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Leiche der vermissten "Gorch Fock"-Soldatin Jenny geborgen

  6. >

Leiche der vermissten "Gorch Fock"-Soldatin Jenny geborgen

wn

Kiel/Geilenkirchen – Die Leiche der vom Segelschulschiff „Gorch Fock“ in die Nordsee gestürzten Soldatin ist gefunden worden. Ein Fischerei-Aufsichtsboot barg die tote Jenny aus Geilenkirchen (Nordrhein-Westfalen) am Montagabend 120 Kilometer nordwestlich von Helgoland. Das teilte die Kieler Staatsanwaltschaft am Dienstag mit.

Eine Obduktion ergab, dass die 18-Jährige ertrunken ist. Es gab keine Anzeichen für ein fremdes Verschulden. Jenny war in der Nacht zum 4. September aus ungeklärter Ursache bei stürmischem Wetter 20 Kilometer nördlich von Norderney über Bord gegangen. Ihre Eltern hofften bis zuletzt, dass sie überlebt habe.

Die Besatzung des Behörden-Bootes habe den treibenden Körper elf Tage nach dem Unglück in der Dunkelheit nordwestlich von Helgoland entdeckt, sagte Korvettenkapitän Jan Ströhmer am Dienstag in Geilenkirchen. „Das war viel Glück“, stellte er fest. Die Marine hatte die gezielte Suche nach der jungen Frau eine Woche nach dem Unglück eingestellt.

Jennys Eltern hatten ursprünglich für Dienstag erstmals einige Medienvertreter zu einem Gespräch eingeladen. Sie sagten jedoch ab, nachdem sie die Nachricht erhielten, dass die Leiche ihrer Tochter geborgen sei. „Die Eltern möchten das Pressegespräch nicht mehr machen. Sie müssen das erst verkraften“, sagte Ströhmer, der in den langen Tagen des Wartens nach eigenen Angaben sehr engen und persönlichen Kontakt zu den Eltern hielt.

Aus einer für das Pressegespräch vorbereiteten und veröffentlichten schriftlichen Erklärung des Vaters wurde deutlich, dass die Eltern bis zuletzt gehofft hatten, ihre Tochter lebend wiederzusehen. „Wir hoffen alle auf ein Wunder, dass Jenny von irgendeinem Schiff aufgenommen worden ist und vielleicht ohne Erinnerung oder sogar ohne Bewusstsein irgendwo gepflegt wird“, hieß es darin.

Ströhmer hatte den Eltern die Todesnachricht gemeinsam mit einem Vorgesetzten von Jenny überbracht. Der Vorgesetzte sei danach bei den Eltern geblieben. Daneben betreue ein Pfarrer das Lehrer-Ehepaar.

Die Überlebenschancen der jungen Frau waren von Anfang an als gering eingeschätzt worden. Das Wasser der Deutschen Bucht war zum Zeitpunkt des Unglücks etwa 17 Grad kalt. Der berühmte Dreimaster „Gorch Fock“, der in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, setzte seine Ausbildungsreise Anfang vergangener Woche Richtung Dublin fort.

Startseite