1. www.wn.de
  2. >
  3. Archiv
  4. >
  5. Letzte Chance

  6. >

Politik Ausland

Letzte Chance

wn

Es ist eine traurige Bilanz. Jeder sechste Mensch hungert. Täglich sterben Tausende Menschen, weil sie sich nicht ausreichend ernähren können. Schon jetzt ist klar: Das Millenniumsziel der Vereinten Nationen ist in weite Ferne gerückt. 1996 hatte eine Welternährungskonferenz beschlossen, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren.

Nun tagen die Vertreter der Regierungen und der Hilfswerke erneut - doch bisher war in Rom nur ein Versagen der Entwicklungspolitik zu verzeichnen. So gut die Hungerstreiks von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und anderen gemeint sein mögen - die Aktionen wirken wie ein Symbol der Hilflosigkeit. Außer Gastgeber Silvio Berlusconi erschien kein Staats- oder Regierungschef der G8-Gruppe.

Das zeigt, wo in den reichen Ländern das Problem der Welternährung verortet wird. Vielleicht ahnen die Mächtigen dieser Welt, dass sie in Italien eine peinliche Figur abgeben würden, dass hier keine Positiv-Schlagzeilen zu machen sind - und haken den Termin lieber gleich ab. Anders der Papst, der die Tatenlosigkeit der westlichen Welt schonungslos anprangerte.

Immer lauter werden die Rufe, nicht nur mit Geld den armen Ländern punktuell unter die Arme zu greifen, sondern die Ursachen des Elends dauerhaft zu beseitigen. Um den Hunger weltweit ins Geschichtsbuch zu verbannen, sind nachhaltige Investitionen nötig - in ländliche Entwicklung, bessere Bildung und faire Handelsstrukturen. Letztlich muss vor allen Dingen die Produktivität in der Landwirtschaft gesteigert werden.

Immerhin hat der Gipfel mit der raschen Einigung auf eine Abschlusserklärung ein Zeichen gesetzt, das Problem benannt. Die UN drängt nun auf Hilfe zur Selbsthilfe statt auf Almosen. Doch der Haken: Finanzierungszusagen für die dafür notwendigen Investitionen in die Landwirtschaft gibt es nicht. Dabei wird sich das Problem des Hungers noch verschärfen, denn die Zahl der armen Menschen weltweit steigt.

Die vorausschauenden Strategien müssen rasch umgesetzt werden. Viel spricht aber dafür, dass die Chance von Rom vertan wird.

Startseite