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Cannes

Leuchtturm der Weltfilmkunst

Hans Gerhold

Münster/Cannes. Das Rätsel um den Eröffnungsfilm des 61. Festival de Cannes (14. bis 25.Mai) ist erst seit ein paar Tagen gelöst, und prompt macht Cannes seinem Namen als Leuchtturm der Weltfilmkunst alle Ehre. Der Brasilianer Fernando de Meirelles, der 2003 mit „City of God“, einem Kraftakt über die Gewalt in den Slums von Rio, für eine Sensation sorgte, wird mit „Blindness“, der Verfilmung des Romans „Stadt der Blinden“ von Literaturnobelpreisträger José Saramango, das Festival eröffnen.

Für die portugiesisch sprechenden Herren hat Cannes das Reglement geändert, wonach der Eröffnungsfilm außer Konkurrenz läuft. Auf jeden Fall passt er zum offiziellen Plakat, auf dem eine Wasserstoffsuperoxydblondine, vom Glanz geblendet, sich mit einer Sichtblende schützt.

Oder verbirgt? In Cannes weiß man das nie so genau. Es verspricht nach dem von Höhepunkten strotzenden Jubiläumsjahr 2007, als man stolze 60 Jahre feierte, wieder ein viel versprechender Mix aus Arthouse-Kino und Eventfilmen zu werden. Für letztere stehen Steven Spielberg, Harrison Ford und das vierte „Indiana Jones“-Actionabenteuer, das am 18. Mai., vier Tage vor dem Kinostart, seine Weltpremiere erfährt, flankiert von dem Animationsfilm „Kung Fu Panda“, in dem der faulste Panda der Welt zum Kämpfer ausgebildet wird.

Für die Kunst stehen Namen wie die belgischen Brüder Dardenne, die mit „Le silence de Lorna“ auf ihre dritte Goldene Palme schielen, Woody Allen mit „Vicky Christine Barcelona“, Atom Egoyan mit „Adoration“. Ein Coup gelang Festivalleiter Thierry Frémaux mit Steven Soderberghs vierstündigem Biopic über Che Guevara (Benicio del Toro), das in dieser Form nur in Cannes gezeigt und später in den Kinos in zwei Teilen als „The Argentine“ und „Guerilla“ laufen wird. Einen Schwerpunkt bilden Filme aus Lateinamerika, die Deutschen sind gut vertreten, und bei Freunden von Gänsehaut-Literatur sorgt die Verfilmung von Roberto Savianos Schocker „Gomorra“, einem zum Bestseller gewordenen Roman über die Strukturen der neapolitanischen Camorra, für Vorfreude.

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