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Leverkusen: Zurück in die Zukunft

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Bayer Leverkusen ist wieder ein ganz normaler Fußballverein / Trainer Labbadia setzt auf Disziplin

Wo kommen sie her?

Bayer 04 – das war auf dem Höhepunkt um die Jahrtausendwende ein mit Stars gespicktes Ensemble, das sogar in Europas Spitze für Furore sorgte. Unter dem damaligen Manager Reiner Calmund bot die Werkself Stars und Typen, alles fein abgestimmt, um dem altbackenen Charme des Pillenklubs zu entkommen. Inzwischen hat der Bayer-Konzern die Gelder verknappt. Und aus Bayer ist wieder ein relativ normaler Fußball-Klub geworden, der auf junge Spieler setzt – und dank einer unerklärlich schwachen Rückrunde sogar das internationale Geschäft verpasste.

Wo wollen sie hin?

Es kann für Bayer nur ein Ziel geben: die Rückkehr ins internationale Geschäft. Dass das in der abgelaufenen Spielzeit nicht geklappt hat, hat alle Verantwortlichenn sichtbar entsetzt, auch wenn es finanziell verkraftbar war. „Wir wollen mit dem neuen Umfeld wachsen“, sagt Meinolf Sprink, Bayer-Kommunikationschef.

Das liebe Geld…

Bayer ist nicht mehr so reich wie einst. Dennoch knabbert der Klub nicht am Hungertuch: Für den Brasilianer Renato Augusto hat Leverkusen nach Angaben von Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser sechs Millionen Euro bezahlt. Die Transferbilanz fällt mit minus fünf Millionen Euro negativ aus. „Wir haben unsere Konsolidierungsphase abgeschlossen und können uns wieder etwas vorwagen“, sagt Holzhäuser. Das Geschäft leidet in dieser Saison am Stadionumbau. In der Rückrunde spielt Bayer sogar in Düsseldorf, will das aber kostendeckend hinbekommen.

Wer hat das Sagen?

Rudi Völlers Wort hat Gewicht, mehr Macht aber hat Geschäftsführer Holzhäuser. Wirklich interessant aber ist, wie sich der hochgelobte neue Trainer Bruno Labbadia in diesem Feld positioniert. Der Mann aus Darmstadt hat den Zehn-Stunden-Tag eingeführt, will laufintensives Pressing spielen lassen. „Nicht nur ich passe in das Anforderungsprofil des Vereins, sondern der Verein passt auch in mein Anforderungsprofil“, sagt der 42-jährige ehemalige Profi. Klingt erfolgversprechend. Holzhäuser lobt Labbadia: „Da herrscht weitaus mehr Disziplin als unter einigen Vorgängern.“

Ein Typ, auf den Sie achten sollten

Die ablösefreie Verpflichtung von Patrick Helmes dürfte sich für Bayer über Jahre rentieren. Der beidfüßige Stürmer mit dem Drang zum konsequenten Torabschluss und der sensationellen Schusstechnik ist das größte deutsche Sturmtalent neben Lukas Podolski und Mario Gomez. So einer hat in der vergangenen Saison in Leverkusen gefehlt, auch, weil Stefan Kießling noch zu unkonstant agierte. Helmes sieht Leverkusen in seiner Karriereplanung als nächste Stufe.

Wen schlägt der Verein besonders gerne?

Keine Frage: Der rheinische Rivale 1. FC Köln ist ein gern genommener Punktelieferant. Vor allem, nachdem sich der FC nach zahlreichen Transfers aus Köln nach Leverkusen (Sinkiewicz, Helmes) in die umgekehrte Richtung revanchiert hat. Bayer-Institution und Masseur Dieter Trzolek wirkt jetzt wie Scout Paul Steiner in der Domstadt.

Der verrückteste Fanartikel

Die neuen Autogrammkarten. Sie zeigen verschmutzte Bayer-Spieler, hemdsärmelig und mit Hacke, Schippe und Stahlbohrer in der Hand.

Prognose

Bayer Leverkusen gelingt der Sprung in die Uefa-Cup-Ränge, wenn die Leistungsträger fit bleiben und mehr Konstanz beweisen als in der Rückrunde 2008. Denn die zweite Reihe genügt kaum internationalem Standard.

Olaf Kupfer

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